München: Herzstillstand
Zwei zeitgenössische Künstler, ein Videofilmer und ein Autor, liefern das Ausgangsmaterial zu den beiden jüngsten Produktionen der Münchner Kammerspiele: Ryan Trecartin, geboren 1981 in Texas, ist ein Digital Native der ersten Stunde, der mit hochprofessionell produzierten Videos in der trashigen Youtube-Ästhetik einer dauerquasselnden, mit der Kamera im Kinderzimmer aufgewachsenen und nie erwachsen werden wollenden Post-Internet-Generation die Kunstwelt derzeit in helle Verzückung versetzt.
Regisseur Felix Rothenhäusler hat Trecartins Drehbuch zu seinem Film «The Re’search» in der kleinen Kammer 3 sozusagen re-analogisiert und aller bunten Pop-Accessoires entkleidet. Das übrig gebliebene Wortgeflimmer im Twitterlook lässt er von hochkarätigen Darstellern wie Brigitte Hobmeier, Julia Riedler und Thomas Hauser in schwarzen Trikots als hyperaktive, inhaltlich kaum fassbare Sprech-Aerobic-Stunde vor einer Spiegelwand vorturnen. Danach hat man das Gefühl, aus einem speedgetunten Gehirnwaschgang frischgeschleudert wieder aufzuwachen.
Literarisch gehaltvoller ist da die Vorlage, die der britische Schriftsteller Tom McCarthy mit seinem Romandebut «8 ½ Millionen» zu ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Silvia Stammen
München und das freie Theater, das war durchaus mal eine Liebesbeziehung, damals in den 1970er und 80er Jahren, als sich allerlei wilde Vögel ungefragt und anfangs auch ungefördert in Kellern und Hallen ans Werk machten, um das Theater in eine von Material und Form her unbegrenzte Dimension zu öffnen, die man sich an den großen Häusern da noch lange nicht...
Warum eigentlich Europa verteidigen? Eine zerklüftete Territorialplatte mit unklarer Ostgrenze und recht diffuser paläoanthropologischer Vergangenheit, die nicht unwesentlich auf einen afrikanischen Einwanderer zurückgeht, den bis heute erstaunlich agilen Homo Sapiens. Wer herkunftsgeschichtlich argumentiert, hat es mit den Europäern nicht leicht, und auch sonst...
Der Keim der wahren Freiheit gedeiht in Unfreiheit», lautet eine von Alexander «Kruso» Krusewitschs dialektischen Überzeugungen. Ja, es muss im Spitzelstaat DDR aufregend anarchische Spielräume gegeben haben, kaum nachvollziehbar aus heutiger Perspektive und schon gar für einstige Kinder der BRD allenfalls diffus erahnbar. Immer noch und immer wieder werden diese...
