Berlin: Standleitung ans Götterohr

Goethe «Iphigenie auf Tauris»

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Die berühmte Eingangswendung des Dramas ist ausgespart: «Das Land der Griechen mit der Seele suchend», sowas kommt dieser Iphigenie nicht mehr in den Sinn. Auf hohem Podest steht sie, die verschollene Tochter des Troja-Fahrers Agamem­non, die als Priesterin auf Tauris Unterschlupf gefunden und dem eingeborenen Volk das Menschenopfer abgewöhnt hat. 

Heimkehr, ins Land der Griechen, das scheint keine Option mehr zu sein.

Weil die Erfahrung der Heimatlosigkeit in unserer Zeit längst so universell geworden ist, dass sie keine Eigennamen mehr braucht? Das Land der Griechen, das Land der Syrer, das Land der Afghanen? Nein, so konkret will Regisseur Ivan Panteleev, gebürtiger Bulgare, den Goethe nicht ins Heute hieven. Seine Iphigenie sinnt ferner, aus einer radikalen existenziellen Ortlosigkeit heraus.

Der Eingangsmonolog ist absolviert und der flache, tiefschwarze Bühnenkasten, der das altargleiche Podest einrahmt (markenmäßig von Ausstatter Johannes Schütz ins Proszenium des Deutschen Theaters eingepasst), wird mit weißer Deckenfarbe getüncht. Die Farbe der Neutralität und des Friedens auf düsterem Grund. Die Spieler streichen sie sich auch auf Stirn und Schopf. Und ...

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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 61
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