Berlin: Standleitung ans Götterohr
Die berühmte Eingangswendung des Dramas ist ausgespart: «Das Land der Griechen mit der Seele suchend», sowas kommt dieser Iphigenie nicht mehr in den Sinn. Auf hohem Podest steht sie, die verschollene Tochter des Troja-Fahrers Agamemnon, die als Priesterin auf Tauris Unterschlupf gefunden und dem eingeborenen Volk das Menschenopfer abgewöhnt hat.
Heimkehr, ins Land der Griechen, das scheint keine Option mehr zu sein.
Weil die Erfahrung der Heimatlosigkeit in unserer Zeit längst so universell geworden ist, dass sie keine Eigennamen mehr braucht? Das Land der Griechen, das Land der Syrer, das Land der Afghanen? Nein, so konkret will Regisseur Ivan Panteleev, gebürtiger Bulgare, den Goethe nicht ins Heute hieven. Seine Iphigenie sinnt ferner, aus einer radikalen existenziellen Ortlosigkeit heraus.
Der Eingangsmonolog ist absolviert und der flache, tiefschwarze Bühnenkasten, der das altargleiche Podest einrahmt (markenmäßig von Ausstatter Johannes Schütz ins Proszenium des Deutschen Theaters eingepasst), wird mit weißer Deckenfarbe getüncht. Die Farbe der Neutralität und des Friedens auf düsterem Grund. Die Spieler streichen sie sich auch auf Stirn und Schopf. Und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 61
von
Begegnungen mit dem Schauspieler Franz Rogowski. Das erste Mal: 2011 in Salzburg. Wir saßen mit Philipp Hochmair in einem Café abseits des Festspieltrubels und sprachen über den «Faust» von Nicolas Stemann, der in den nächsten Tagen Premiere haben würde. Auf einem Rennrad mit für das Kopfsteinpflaster viel zu dünnen Reifen kam ein junger Mann mit höchst...
Der Keim der wahren Freiheit gedeiht in Unfreiheit», lautet eine von Alexander «Kruso» Krusewitschs dialektischen Überzeugungen. Ja, es muss im Spitzelstaat DDR aufregend anarchische Spielräume gegeben haben, kaum nachvollziehbar aus heutiger Perspektive und schon gar für einstige Kinder der BRD allenfalls diffus erahnbar. Immer noch und immer wieder werden diese...
Der Wunsch nach theatergeschichtlichem Überblick stößt unweigerlich auf Manfred Braunecks lexikalisches Werk. 2010 wurde ihm für seine Forschungen zur «Geschichte des Theaters in all seinen Ausdrucksformen» der Balzan-Preis von gleichnamiger Stiftung verliehen, dessen Preisgeld zur Hälfte – und unter administrativer Obhut des ITI Deutschland – in ein...
