Müllers Beste
Band 1 1965–1987
Was in Deutschland überhaupt schlecht funktioniert, ist das Mittlere. Es gibt nur Superspitzenprodukte und Scheiße, das Mittlere hat, als Quantität, nicht stattgefunden – in allen Kunstgenres, glaub ich. Es hat nie eine Mitte gegeben. mit Harun Farocki, 1981
Mein Hauptinteresse beim Stückschreiben ist es, Dinge zu zerstören. Dreißig Jahre lang war Hamlet eine Obsession für mich, also schrieb ich einen kurzen Text, HAMLETMASCHINE, mit dem ich versuchte, Hamlet zu zerstören.
Die deutsche Geschichte war eine andere Obsession, und ich habe versucht, diese Obession zu zerstören, diesen ganzen Komplex. Ich glaube, mein stärkster Impuls ist der, Dinge bis auf ihr Skelett zu reduzieren, ihr Fleisch und ihre Oberfläche herunterzureißen. Dann ist man mit ihnen fertig. ebenda, 1982
Ein Grunderlebnis von Intellektuellen ist Scheitern, und wenn es an der Steuererklärung ist. Dann macht man daraus eine Religion. Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum ich in der DDR bleibe, weil ich dort keine Steuererklärung zu schreiben brauche. Hier könnte ich ohne das wahrscheinlich gar nicht existieren. mit Rolf Rüth und Petra Schmitz, 1982
Ich bin ja auch ein Stück DDR-Realität. Und ich ...
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Eva Behrendt Gerade sind im Suhrkamp Verlag drei Gesprächsbände erschienen, die die 12-bändige Heiner-Müller-Gesamtausgabe komplettieren, also ein Viertel seines Œuvres ausmachen. 24 der darin abgedruckten Gespräche haben Sie mit Müller geführt. Was war das Besondere am Gesprächspartner Heiner Müller?
Alexander Kluge Dass er ein Dramatiker, ein theatererfahrener...
Hier gibt’s keine Revolution. Als Lessing seine «Emilia Galotti» schrieb, überlegte er noch, ob er die Tötung der Tochter durch den Vater in einen Volksaufstand münden lassen sollte; der antike Historiker Livius hatte es so aufgeschrieben. Erst wollte Lessing die Politik ganz draußen lassen, dann schlich sie sich doch ins Stück hinein: Der Vater rettet die Ehre...
Nur eine halbe Stunde im ICE liegt zwischen Ingolstadt und Nürnberg. Und doch auch Welten. Das kann man im Theater entdecken: An beiden Bühnen wird derzeit die «Orestie» von Aischylos gespielt, jeweils alle drei Teile und jeweils strich-scheu abendfüllend. Beide Theater greifen auf Peter Steins Übersetzung zurück, jagen den vielköpfigen Chor wie...
