Mülheim/Ruhr Theater an der Ruhr: Ein leiser Populist

Thomas Köck/Simone Thoma «antigone. ein requiem»

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«und wenn die politik / durchs gesetz behindert wird / wenn fortschritt wenn / dem hausverstand durchs gesetz / die hände gebunden»?, sinniert Kreon einmal. «Hausverstand» ist laut Duden die österreichische Version des «gesunden Menschenverstands». Ob Haus- oder gesund, in jedem Fall ist dieser spezielle, meist eher eingeschränkte «Verstand» das zentrale Argument von Populist*innen weltweit: gegen die Wissenschaft, gegen Moral, gegen demokratische und bürokratische Abläufe.

Einen solchen selbstgerechten Herrscher­typus porträtiert Schauspielerin und Regisseurin Simone Thoma in ihrer Inszenierung «antigone. ein requiem» von Thomas Köck, mit der das Theater an der Ruhr die Spielzeit eröffnet. Allerdings ist Fabio Menéndez’ Kreon kein unbeherrschter Scharfmacher wie Trump oder Bolsonaro. Seine Markenzeichen sind besonnenes Auftreten, sanftes Sprechen, aufmerksames Zuhören – und etwas Blattgold, das sein Gesicht an den Schläfen rahmt. Er ist hier nicht nur Politiker, sondern tritt zugleich als Moderator einer eigenen Talkshow auf. Auf der bunt leuchtenden Showbühne von Bühnenbildnerin Adriana Kocijan dürfen alle mitreden, kritisieren, flehen, schimpfen – es hat nur nicht die geringste ...

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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Cornelia Fiedler

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