Mülheim/Ruhr Theater an der Ruhr: Ein leiser Populist
«und wenn die politik / durchs gesetz behindert wird / wenn fortschritt wenn / dem hausverstand durchs gesetz / die hände gebunden»?, sinniert Kreon einmal. «Hausverstand» ist laut Duden die österreichische Version des «gesunden Menschenverstands». Ob Haus- oder gesund, in jedem Fall ist dieser spezielle, meist eher eingeschränkte «Verstand» das zentrale Argument von Populist*innen weltweit: gegen die Wissenschaft, gegen Moral, gegen demokratische und bürokratische Abläufe.
Einen solchen selbstgerechten Herrschertypus porträtiert Schauspielerin und Regisseurin Simone Thoma in ihrer Inszenierung «antigone. ein requiem» von Thomas Köck, mit der das Theater an der Ruhr die Spielzeit eröffnet. Allerdings ist Fabio Menéndez’ Kreon kein unbeherrschter Scharfmacher wie Trump oder Bolsonaro. Seine Markenzeichen sind besonnenes Auftreten, sanftes Sprechen, aufmerksames Zuhören – und etwas Blattgold, das sein Gesicht an den Schläfen rahmt. Er ist hier nicht nur Politiker, sondern tritt zugleich als Moderator einer eigenen Talkshow auf. Auf der bunt leuchtenden Showbühne von Bühnenbildnerin Adriana Kocijan dürfen alle mitreden, kritisieren, flehen, schimpfen – es hat nur nicht die geringste ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Cornelia Fiedler
Eine kurze, aber entscheidende Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbringt Mely Kiyak in einem Bergdorf in der Türkei, wo sich ihre «verliebte Cousine» verloben will. Da es sich um keine arrangierte, sondern eine Beziehung «gegen den ausdrücklichen Wunsch ihrer Familie» handelt, trifft die Cousine sich schon vorher heimlich mit dem Auserwählten und berichtet den Wache...
Seine Kreditkarten waren schon so gut wie ausgereizt, als Ayad Akhtar vor ein paar Jahren auf der Rückfahrt nach New York die Zylinderkopfdichtung durchbrannte. Und ihn zu einem Stopp in einem Provinzkaff namens Scranton zwang, wo er den subtilen Rassismus weißer Amerikaner zu spüren bekam, die ihn in Gestalt eines örtlichen Polizisten und dessen befreundetem...
Falk Schreiber Mitte März habe ich mich sehr auf die Premiere von Studio Brauns «Coolhaze» am Hamburger Schauspielhaus gefreut. Aber am 13. März kam die Meldung, dass die Premiere ausfallen, das Schauspielhaus die restliche Spielzeit wegen Corona für beendet erklären würde. Charly Hübner, Sie hätten in «Coolhaze» gespielt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Charly...
