Mit Grotowski, ohne Metaphysik
Die alte Milchfarm wirkt mit ihren rotgestrichenen Ställen wie aus einem Neuengland Bilderbuch, und der Broadway ist weit weg. 1994 richtete sich hier, im dünnbesiedelten Hügelland im Westen von Massachusetts, das «Double Edge Theatre» als Laboratorium ein. Stacy Klein hatte das Theater rund zehn Jahre zuvor in Boston als eine feministische Truppe gegründet, die außerdem von den Ideen Jerzy Grotowskis inspiriert war. Damit war klar, dass man an der Welt des kommerziellen Großstadttheaters nie teilnehmen würde.
Aber gleich ganz aufs Land zu ziehen, das schien ein geradezu verrücktes Wagnis, vor allem im Hinblick auf das Publikum, das sich erst mal nur aus den benachbarten Farmern und einigen Sommerfrischlern aus Boston und New York rekrutierte. Doch dann sprach sich herum, dass die Truppe, die zum größten Teil in den Farmgebäuden auch wohnt, sogar internationales Renommee entwickelte, während sie vor Ort etwa «Die drei Musketiere» als pittoreskes Landschaftstheater aufführte.
An der Straßenbiegung auf Google Earth
Mittlerweile ist «Double Edge» außerdem ein Modell der creative economy in der touristisch schwach entwickelten Gegend. Für den nachweislichen Besucherverkehr gewährt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ihren größten Trumpf spielten die Wiener Festwochen 2009 erst zum Schluss aus. Die letzte Produktion des Festivals war als erste ausverkauft gewesen und auch von Menschen mit Spannung erwartet worden, die nicht zum engeren Kreis der Theaterinteressierten gehören. Wien fieberte der Weltpremiere einer «Othello»-Inszenierung von Peter Sellars entgegen. Warum, ist...
«Die Gedanken werden besinnungslos», hat Elfriede Jelinek in einem Kommentar zu «Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes» geschrieben. Ein dazwischengerutschter Satz vielleicht, womöglich aber auch Teil der Jelinekschen Poetologie: Was sind ihre Sprachspiele und Metonymien anderes als ein Entwischen vor der Besinnung, ein fortwährendes Flüchten vor der...
Elegant schlägt die Frau im weißen Petticoatkleid und Pumps auf ihrem Stuhl sitzend die Beine übereinander. Ein Mann im dunklen Anzug steht etwas schüchtern vor ihr und versucht, ihr Komplimente zu machen. «Ein schönes Kleid haben sie da», sagt der Mann. «Dankeschön», erwidert die Frau. Doch jetzt verschlägt es ihm die Sprache. Er weiß nicht weiter, woraufhin ihm...
