Mit Grotowski, ohne Metaphysik

Das «Double Edge Theatre» bespielt Scheunen und Landschaft in Massachusetts

Theater heute - Logo

Die alte Milchfarm wirkt mit ihren rot­gestrichenen Ställen wie aus einem Neuengland Bilderbuch, und der Broadway ist weit weg. 1994 richtete sich hier, im dünn­besiedelten Hügelland im Westen von Massachusetts, das «Double Edge Theatre» als Laboratorium ein. Stacy Klein hatte das Theater rund zehn Jahre zuvor in Boston als eine feministische Truppe gegründet, die außerdem von den Ideen Jerzy Grotowskis inspiriert war. Damit war klar, dass man an der Welt des kommerziellen Großstadttheaters nie teilnehmen würde.

Aber gleich ganz aufs Land zu ziehen, das schien ein geradezu verrücktes Wagnis, vor allem im Hinblick auf das Publikum, das sich erst mal nur aus den benachbarten Farmern und einigen Sommerfrischlern aus Boston und New York rekrutierte. Doch dann sprach sich herum, dass die Truppe, die zum größten Teil in den Farmgebäuden auch wohnt, sogar internationales Renommee entwickelte, während sie vor Ort etwa «Die drei Musketiere» als pittoreskes Landschaftstheater aufführte.

 

An der Straßenbiegung auf Google Earth

Mittlerweile ist «Double Edge» außerdem ein Modell der creative economy in der touristisch schwach entwickelten Gegend. Für den nachweislichen Besucherverkehr gewährt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2009
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Herzkasperl und Sparifankerl

Frontal, das war er, immer die Stirn bietend, was ja Offerte wie Offensive sein kann: wenn man sich widersetzt wie ein Stier oder wenn man seine Gedanken so ungeschützt zeigt, dass der andere dir eine vor den Kopf hauen kann. Jörg Hube hielt sich nie hinterm Berg, sein Zorn war tobend, sein Lachen knallend; immer war er mittendrin und immer auf dem Sprung,...

Zartfühlender Alpen-Sherlock

Als glotzäugiger Mädchenschlitzer Schrott mit den süßen «Igeln» hat Gert Fröbe 1958 für Generationen von Fernsehzuschauern den Prototyp des Mitschnackers verkörpert. Die Verfilmung eines Dürrenmatt-Drehbuchs unter dem Titel «Es geschah am hellichten Tag» bot mit Fröbe und seinem Gegenspieler Heinz Rühmann zwei einprägsame Modelle für kranke Zielstrebigkeit unter...

Im Mausoleum der Gemütlichkeit

Ihren größten Trumpf spielten die Wiener Festwochen 2009 erst zum Schluss aus. Die letzte Produktion des Festivals war als erste ausverkauft gewesen und auch von Menschen mit Spannung erwartet worden, die nicht zum engeren Kreis der Theater­interessierten gehören. Wien fieberte der Weltpremiere einer «Othello»-Inszenierung von Peter Sellars entgegen. Warum, ist...