Urnenasche
Der Sensenmann ist schon da. Sportiv schwingt er im Mainzer TiC sein Instrument, das mikrofonverstärkt zischt, während um ihn herum das Chaos regiert. Drei Frauen haben es angerichtet, die in ihrer Wohnhölle ein letztes Mal Familie zelebrieren, bevor das Haus verkauft ist und eine neureiche Russin einzieht. Die Mutter schwelgt in Fotoerinnerungen, die zwei Töchter hadern mit sich, der Liebe, ihren Ambitionen, den kleinen Schwächen und den großen Lebenslügen. Dazu rattert ein menschgewordenes Flugzeugwarngerät seine englischen Ansagen herunter.
Es steht im Wohnzimmer herum, ist weiblich und gehört irgendwie zur Familie.
Vermutlich ist es vom Himmel gefallen, wie der alltägliche Kerosinregen. Vielleicht aus eigenen, zumindest aber aus lokalen Erfahrungen schöpft die junge Frankfurter Autorin Lisa Danulat, wenn sie das Haus in der Einflugschneise eines Flughafens imaginiert. Zum Manifest gegen die Startbahn West oder die neue Landebahn Nord taugt ihr Stück «Too low terrain» allerdings nicht, denn es geht nur am Rande um das Psychogramm einer von Fluglärm und -dreck geschädigten Familie. Im Mittelpunkt steht ein exzessives Erinnern, das die Figuren dauerbeschäftigt. Im Tiefkühlfach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frontal, das war er, immer die Stirn bietend, was ja Offerte wie Offensive sein kann: wenn man sich widersetzt wie ein Stier oder wenn man seine Gedanken so ungeschützt zeigt, dass der andere dir eine vor den Kopf hauen kann. Jörg Hube hielt sich nie hinterm Berg, sein Zorn war tobend, sein Lachen knallend; immer war er mittendrin und immer auf dem Sprung,...
In der ersten Szene von Tschechows «Die Möwe» erklärt der arme Dorflehrer Medwedenko der Tochter des Gutsverwalters, Mascha, zum vermutlich x-ten Mal seine große, aber leider völlig unerwiderte Liebe. Mascha weist ihn routiniert, aber freundlich ab. Mit dieser Szene springt Tschechow ansatzlos ins Stück, und sie ist in unzähligen «Möwe»-Inszenierungen als...
Die Stimme kommt einem so bekannt vor. Ist das nicht …? Doch, das ist er: Stefan Schmidtke, der Direktor des Festivals Theaterformen in den Jahren 2007 und 2008. Vor Schmidtkes Amtsantritt hätte das hannoversch-braunschweigische Festival beinahe einen schönen Sparposten im Kulturetat der niedersächsischen Landesregierung abgegeben – dann aber wurde es, besonders...
