Urnenasche
Der Sensenmann ist schon da. Sportiv schwingt er im Mainzer TiC sein Instrument, das mikrofonverstärkt zischt, während um ihn herum das Chaos regiert. Drei Frauen haben es angerichtet, die in ihrer Wohnhölle ein letztes Mal Familie zelebrieren, bevor das Haus verkauft ist und eine neureiche Russin einzieht. Die Mutter schwelgt in Fotoerinnerungen, die zwei Töchter hadern mit sich, der Liebe, ihren Ambitionen, den kleinen Schwächen und den großen Lebenslügen. Dazu rattert ein menschgewordenes Flugzeugwarngerät seine englischen Ansagen herunter.
Es steht im Wohnzimmer herum, ist weiblich und gehört irgendwie zur Familie.
Vermutlich ist es vom Himmel gefallen, wie der alltägliche Kerosinregen. Vielleicht aus eigenen, zumindest aber aus lokalen Erfahrungen schöpft die junge Frankfurter Autorin Lisa Danulat, wenn sie das Haus in der Einflugschneise eines Flughafens imaginiert. Zum Manifest gegen die Startbahn West oder die neue Landebahn Nord taugt ihr Stück «Too low terrain» allerdings nicht, denn es geht nur am Rande um das Psychogramm einer von Fluglärm und -dreck geschädigten Familie. Im Mittelpunkt steht ein exzessives Erinnern, das die Figuren dauerbeschäftigt. Im Tiefkühlfach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frontal, das war er, immer die Stirn bietend, was ja Offerte wie Offensive sein kann: wenn man sich widersetzt wie ein Stier oder wenn man seine Gedanken so ungeschützt zeigt, dass der andere dir eine vor den Kopf hauen kann. Jörg Hube hielt sich nie hinterm Berg, sein Zorn war tobend, sein Lachen knallend; immer war er mittendrin und immer auf dem Sprung,...
«Die Gedanken werden besinnungslos», hat Elfriede Jelinek in einem Kommentar zu «Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes» geschrieben. Ein dazwischengerutschter Satz vielleicht, womöglich aber auch Teil der Jelinekschen Poetologie: Was sind ihre Sprachspiele und Metonymien anderes als ein Entwischen vor der Besinnung, ein fortwährendes Flüchten vor der...
«Fahrstuhl zum Schafott», das Debüt des französischen Filmregisseurs Louis Malle, ein mit einer wundervoll coolen Jazzmusik unterlegter später Beitrag zum Film Noir, hat offenbar Pate gestanden für Marcel Luxingers in Bochum uraufgeführte Wirtschaftskrisenfarce «Fahrstuhl zum Bankrott» – allerdings nur, was den Titel betrifft. Darüber hinaus hat der wenig...
