Zartfühlender Alpen-Sherlock

nach Dürrenmatt «Das Versprechen»

Theater heute - Logo

Als glotzäugiger Mädchenschlitzer Schrott mit den süßen «Igeln» hat Gert Fröbe 1958 für Generationen von Fernsehzuschauern den Prototyp des Mitschnackers verkörpert. Die Verfilmung eines Dürrenmatt-Drehbuchs unter dem Titel «Es geschah am hellichten Tag» bot mit Fröbe und seinem Gegenspieler Heinz Rühmann zwei einprägsame Modelle für kranke Zielstrebigkeit unter dem Staubmantel der Wohlanständigen.

Denn auch Kommissar Matthäi, der das Kind seiner Lebensgefährtin an einer Tankstelle als Lockvogel für den Kindermörder benutzt, war nicht der Gralshüter kriminalistischer Moral, sondern eine verklemmte Nachkriegsgestalt, durchaus verhaftet dem fatalen Konstrukt der Männerehre.

 

Sein Triumph über das Böse allerdings schmeckte dem Drehbuchautor nicht wirklich, und so schuf Dürrenmatt noch eine Prosaver­sion seines Drehbuchs, das unter dem Titel «Das Versprechen» Matthäi bis zur totalen geistigen Zerrüttung auf der Lauer liegen lässt. In dieser düsteren Version, die gleichzeitig eine Reflexion über Logik und Zufall ist, hat auch Sean Penn die Geschichte mit Jack Nicholson in der Hauptrolle 2001 noch einmal verfilmt, Armin Petras schrieb 2005 eine Bühnenversion fürs Hamburger Thalia ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2009
Rubrik: Chronik, Seite 74
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Umarmung für alle

Die Stimme kommt einem so bekannt vor. Ist das nicht …? Doch, das ist er: Stefan Schmidtke, der Direktor des Festivals Thea­terformen in den Jahren 2007 und 2008. Vor Schmidtkes Amtsantritt hätte das hannoversch-braunschweigische Festival beinahe einen schönen Sparposten im Kulturetat der niedersächsischen Landesregierung abgegeben – dann aber wurde es, besonders...

Im Rhythmus der Zeit

Unter den drei Großstädten Sachsens gilt Chemnitz mit wenig mehr als 250.000 Einwohnern noch immer als Aschen­puttel. Wahrscheinlich leidet die Stadt noch immer unter dem Nachhall jener leidigen Umbenennung im Jahre 1953, die ihr nicht nur den «Ehrennamen» Karl Marx, sondern auch den Spott der Mitwelt einbrachte, die sich höchstens auf ein schnoddriges «Kalle...

Pädagogen

Lehrer darf man nicht unterschätzen. Spätestens seit Heinrich Manns «Professor Unrat» steht fest, dass noch im spießigsten Moralapostel und Schülerquäler ein lüsterner Anbeter verruchter Barfußtänzerinnen steckt, ein potenzieller Zuhälter, Spieler und Amokläufer gegen das System, das er selbst verkörpert und dem er alles verdankt. Natürlich darf man Pädagogen auch...