Mit allen Mitteln der Kunst
Wie spielt man in einem großen Haus Repertoiretheater trotz Pandemie? Am Hamburger Thalia versucht man es so: beschränkte Platzzahl, Plexiglasscheiben zwischen den Logen, ein Irrgarten von Zugängen ins Haus. Dabei geht es in Antú Romero Nunes’ «Ode an die Freiheit» um den Versuch, das Freiheitspathos aus drei Schiller-Dramen zu schälen. Also um politische Freiheit in «Wilhelm Tell», um freie Liebe in «Kabale und Liebe», schließlich um die ganz konkrete Freiheit in «Maria Stuart», wenn die Titelheldin vergeblich auf Befreiung aus der Kerkerhaft hofft.
Geplant war die Premiere bereits fürs Frühjahr, wegen der Pandemie musste sie verschoben werden, obwohl der Abend fast fertig war. Zu «Maria Stuart» und «Kabale und Liebe» drehte Nunes noch zwei Theaterfilme, mit denen das Thalia Teile seines Online-Programms bestritt.
Verständlich aber, dass seine letzte Inszenierung als Thalia-Hausregisseur (seit Beginn der Spielzeit ist Nunes Co-Intendant am Basler Schauspiel) nicht in der Versenkung verschwinden sollte. Allerdings ist die hier besungene Freiheit kein so unschuldiger Begriff mehr wie noch vor einem halben Jahr. Am Premierenwochenende demonstriert eine ungesunde Mischung aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Falk Schreiber
Der beste Moment in Pauls Leben, jedenfalls wenn es nach seiner Erzählerin Sibylle Berg geht, war der, als er sich mit 15 in einen Mitschüler verliebt hat. Eine Nacht im Zelt am See – das muss genügen. Was davor und danach kam, ist das Durchschnitts-Unglück des mittleren Angestellten ohne besondere Eigenschaften: «Dieses Wissen, nichts zu können / die Ahnung,...
Es ist nostalgisch schön, nach (und vor) vielen Stunden Theaterstreaming mal am guten alten Festnetztelefon zu sitzen und Ilia Papatheodorou von She She Pop am Ohr zu haben. Gemeinsam schaffen wir Erinnerung im Erzählen: Sie schwärmt mir von der Aufführung «The Real Fiction» von Cuqui Jerez in Bochum 2007 vor, eine absurde Pannenshow des rituellen Scheiterns, die...
Es ist Sommer. Es ist Pandemie. Das Theater menschenleer. «Es wird nie wieder so sein wie früher», orakelt einem die strenge Stimme in die Ohren, während man sich, mit ipod und Kopfhörern ausgerüstet, auf eine interaktive Reise durchs Stuttgarter Schauspielhaus begibt – je eine Person im 5-Minuten-Abstand. Der Regisseur Stefan Kaegi vom Theaterkollektiv Rimini...
