Ministry for Loneliness
Seit Anfang des Jahres gibt es in Großbritannien ein neues Ministerium: «Ministry for Loneliness». Dies ist keineswegs eine literarische Erfindung, wie das «Ministerium für Wahrheit» in George Orwells «1984», sondern eine real existierende Behörde. Mitsamt einer zuständigen Ministerin, die sich außer um die Bekämpfung der sich epidemisch ausbreitenden Einsamkeit auch um die Ressorts Sport und Zivilgesellschaft kümmert.
Die Idee, ein solches Ministerium für Einsamkeit zu gründen, stammt noch von der im ebenso hitzigen wie hetzerischen Brexit-Wahlkampf ermordeten Labour-Abgeordneten Jo Cox. Dem Bericht einer nach ihr benannten parteiübergreifenden Kommission und des Roten Kreuzes zufolge, fühlen sich neun Millionen Menschen in Großbritannien einsam. Hinter dieser dramatischen Zahl verbergen sich alte Menschen, die vergessen und ohne soziale Kontakte leben – 200.000 Senioren haben höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten –, Alleinerziehende, die zu wenig Unterstützung haben, Arme, die sich Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht leisten können, und auch all jene, die trotz oder auch wegen ausgiebiger Social-Media-Kontakte eher das Glas der «Black ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Julia Lochte
Eine Frau, ein Mann und ein Auto. Eine Spazierfahrt? Oder eine Fahrstunde? Wie stehen die beiden zueinander? Orte und Begebenheiten am Straßenrand konfrontieren sie mit teils verdrängten Erinnerungen. Die Fahrt führt zunächst durch eine Stadt, an Orte, die sich in den Biografien der beiden mit Bedeutung aufgeladen haben. Schöne und schmerzliche, traumatische und...
Ihrer Zeit voraus waren die Radikal-Theater-Avantgardisten Vegard Vinge und Ida Müller ja schon immer. Aber dass sie selbst konkrete erdrutschartige (National-)Katastrophen antizipieren, darf durchaus als kleines Novum gelten: Wer Ende Mai beim internationalen Musik- und Theaterfestival im norwegischen Bergen die jüngste Vinge-Müller-Produktion «Panini-BoysRoom»...
Victory Condition» beginnt mit einem freundlichen «Hallo». Ein Mann spricht mich an, erzählt, was er weiß über mich, über mein Leben mit geliebten Menschen, über Glücksmomente und plötzlich einbrechenden Schrecken, über meine Ängste und mein Vertrauen. Der Mann kennt mich, denn er ist wie ich.
Nein, er spricht nicht mit mir. Der Mann ist ein Sniper und liegt...
