Menschenwürde ist kein Seelenfresser
Der Vorfall: Bei einer Jubiläumsfeier des Hamburger Schauspielhauses wurden Fotos historischer «Othello»-Inszenierungen von Peter Zadek und Stefan Pucher aus den Jahren 1976 und 2004 gezeigt, die Blackfacing verwendeten. Die Schauspielerin und Regisseurin Isabelle Redfern war anwesend und berichtete in den sozialen Medien davon, was zu öffentlicher Kritik an der Präsentation des Hamburger Schauspielhauses führte, die auf eine ausreichende Kontextualisierung dieser Praxis verzichtet hatte.
Daraufhin entschuldigte sich die Intendantin Karin Beier öffentlich und gestand das problematische Verhalten des Theaters ein.
Der Vorgang und die sich daran anschließende Debatte in wichtigen überregionalen Medien berühren zentrale Fragen: Wie gehen Kulturinstitutionen mit ihrem kolonial und rassistisch geprägten Erbe um? Welche Bilder werden weiter gezeigt – und warum? Und wie lassen sich Archive verantwortungsvoll präsentieren, ohne Rassifizierung fortzuschreiben?
Das deutschsprachige Theatersystem bewegt sich. Nach Skandalen rassifizierender Gewalt haben einzelne Häuser reagiert, sich neu aufgestellt, mit Antidiskriminierungs-Expert:innen gearbeitet und Sensibilisierungsprozesse angestoßen. ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Debatte, Seite 38
von Josephine Stein
Nicht rennen und unter keinen Umständen laut sein! Im Münchener Haus der Kunst wird man schon angeraunzt, bevor das erste Werk zu sehen ist. Bisschen viel prophylaktische Disziplinierung für eine Ausstellung mit dem Titel «For Children». «This is Germany», murmelt jemand.
Drinnen gibt es dennoch jede Menge Kids, wirklich tolle Kunstwerke – und mindestens fünfzehn...
Traumtänzerisch bewegt sich der nackte Simon Werdelis über die Bühne. Es ist fast schon ein Naturereignis, wie er mit seiner expressiven Körperlichkeit naiv kokett den Rest der ebenso männlichen Besetzung um den Fingern wickelt. Daniela Löffners Dresdener «Lulu»-Inszenierung von 2023 öffnete für Werdelis noch einmal neue Seiten seines Spiels, auch weil die...
Ein junger Mann steht vorne vor der Rampe des Weimarer Nationaltheaters, läuft an ihr entlang, wirft einen prüfenden Blick in den Zuschauerraum, als müsse er sich vergewissern, dass sich das Unterfangen lohnt. Ein Blick auf den neuen Ort, wo jetzt das Wesentliche, das Theater passieren soll. Der Startsequenz von Thomas Manns «Felix Krull» wohnt viel Anfang inne....
