Menschenwürde ist kein Seelenfresser

Eine Jubiläumsfeier und die Folgen: die Debatte um Blackfacing in historischen «Othello»-Inszenierungen zeigt die blinden Flecken von Theaterbetrieb und -kritik – eine Nachlese

Theater heute - Logo

Der Vorfall: Bei einer Jubiläumsfeier des Hamburger Schauspielhauses wurden Fotos historischer «Othello»-Inszenierungen von Peter Zadek und Stefan Pucher aus den Jahren 1976 und 2004 gezeigt, die Blackfacing verwendeten. Die Schauspielerin und Regisseurin Isabelle Redfern war anwesend und berichtete in den sozialen Medien davon, was zu öffentlicher Kritik an der Präsentation des Hamburger Schauspielhauses führte, die auf eine ausreichende Kontextualisierung dieser Praxis verzichtet hatte.

Daraufhin entschuldigte sich die Intendantin Karin Beier öffentlich und gestand das problematische Verhalten des Theaters ein.

Der Vorgang und die sich daran anschließende Debatte in wichtigen überregionalen Medien berühren zentrale Fragen: Wie gehen Kulturinstitutionen mit ihrem kolonial und rassistisch geprägten Erbe um? Welche Bilder werden weiter gezeigt – und warum? Und wie lassen sich Archive verantwortungsvoll präsentieren, ohne Rassifizierung fortzuschreiben?

Das deutschsprachige Theatersystem bewegt sich. Nach Skandalen rassifizierender Gewalt haben einzelne Häuser reagiert, sich neu aufgestellt, mit Antidiskriminierungs-Expert:innen gearbeitet und Sensibilisierungsprozesse angestoßen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2026
Rubrik: Debatte, Seite 38
von Josephine Stein

Weitere Beiträge
Ein Haus dreht sich

Die Signatur von Regisseurin Anna Bergmann ist unverkennbar: die Musik, der Gesang, die Drehbühne und nicht zuletzt der bewegende Stoff. Emily Brontës Klassiker «Sturmhöhe», 1847 veröffentlicht, erzählt der Roman eine verworrene Geschichte über Liebe, Hass und Rache. Im Zentrum: der dunkelhäutige Heathcliff. Nachdem er als Waisenkind auf dem Gutshof Wuthering...

Umsturz nach Dienstplan

Fake News sind gefährlich, das hat sich herumgesprochen und ihrer zersetzenden Kraft keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Vielleicht liegt die größte Infamie ja gerade darin, dass wer ihnen nachgeht, sich selbst aufs Terrain der Verschwörungstheorien begeben muss, wo man sich nur allzu leicht verirrt. Łukasz Ławicki hat davor augenscheinlich keine Angst. Seine...

Verlebte Leben

Andis Späti mit dem klingenden Namen «Paradies» steht kurz vor seinem Endi. Denn seine Ex Marleen, die sich als erfolgreiche Ärztin aus dem tiefen Osten in den gelobten Westen abgesetzt hat – unter schnöder Zurücklassung ihres Partners –, hat das ererbte Haus verkauft, in dem Andi sich mit seinem kleinen Kiosk eingenistet hat. Wobei der Mini-Einzelhandel mit dem...