Menschen können verrückt werden, Roboter nur verrückt spielen

Dietmar Dath und F. Wiesel «Restworld»

Das war’s mit dem Anthropozän. Der Mensch ist nicht mehr die treibende gestaltende Kraft auf Erden, genau genommen gibt es ihn nicht mehr, er existiert nur noch als Erinnerung in Roboter­gehirnen. Immerhin scheint die Erinnerung ziemlich präsent zu sein, hört man den Ge­sprächen der drei Roboter in «Restworld» zu, die sich nahezu manisch um deren ehemalige menschliche Konstrukteure drehen. Der Wunsch nach Emanzipation vom eigenen Schöpfer ist groß, so viel steht fest, aber das ist leichter gesagt als programmiert.

Früher, als Roboter und Menschen noch koexistierten, da gab es einen sehr erfolg­reichen Vergnügungspark, in dem Roboter Menschen spielen mussten, um anderen Menschen die Gelegenheit zu geben, endlich all das straffrei zu tun, was sie schon immer anderen antun wollten: Menschen konstruierten Roboter für diesen Amusement-Park des Wilden Westens, in dem Mord, Totschlag, Erniedrigung und Vergewaltigung allen zahlenden Besucher*innen des Parks offenstanden. Ein kurzer Reset im Computerhirn, eine kleine (oder bei Bedarf auch etwas größere) Reparatur der humanoiden Hülle, und schon konnte es wieder losgehen mit den menschlichen Vergnügungen.

An diese Grundidee der ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 139
von Lene Grösch und Holger Schultze