Mehr Licht
Der Schauspieler Yorck Dippe beschreibt die «Maschine», die von Henrike Engel auf die große Bühne des Deutschen Schauspielhauses gebaut wurde: «Vier Speicher, eine Kontrolle». Die Speicher, das sind Moritz Grove, Daniel Hoevels, Camill Jammal und Christoph Jöde, die Kontrolle ist Sandra Gerling, und gemeinsam zerlegen sie Johann Wolfgang von Goethes «Wandrers Nachtlied» von 1780, zunächst als Rezitation, dann mit leichten, später starken Veränderungen, als Gesang, als Tanz: Auseinanderbauen, Dekonstruktion.
«Über allen Gipfeln ist Ruh», heißt es da in tiefem Literaturernst, «Warte nur! Balde / Ruhest du auch», dann wird das Gedicht durch die Speichermangel gedreht, Vokale weg, Begriffstausch, «brlln Gpflnst Rh». Ein Gesang, der ins Absurde kippt, dabei aber eine eigentümliche Schönheit besitzt.
Eine dramaturgische Schiene am Schauspielhaus beschäftigt sich mit Posthumanismus, zum Beispiel mit Katie Mitchells «Der Kirschgarten» (2022) oder mit Marie Schleefs «The Mushroom Queen» (2023): Theater, dem das Menschliche so sehr ausgetrieben wurde wie das Drama oder das Spiel. Und das dennoch (oder gerade deswegen) eine spröde Bühnenwirksamkeit entfalten konnte. Anita Vulesica hat sich ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
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