Meg Stuart for president
Michael Stolhofer, schlohweiße Haare, die sich ein Leben lang gegen die Ordnung der Friseure aufgelehnt haben, ist ein Mann des entspannten Dialekts. Den Salzburger Zungenschlag pflegt er in einer immer etwas empört klingenden Mundart. Dabei wirkt er sehr charmant. Nie lässt er die Spur eines Ressentiments anklingen. Wenn er erzählt, von Salzburg und seiner Lebensleistung dort, insbesondere als langjähriger Leiter der Szene Salzburg, dann klingt seine Stimme wie ein Salzburger Nockerl, herzenswarm, aufgeschäumt, gut gezuckert – und: leicht verschlagen.
Der Schalk sprüht ihm aus den Augen, wenn er die Geschichte auftischt, wie die berühmte Choreografin Meg Stuart einst im Dirndl neben den Militäruniformen amerikanischer Besatzerinnen eine Love-Parade zur alternativen Festspieleröffnung angeführt habe. Mit 20 000 Jugendlichen im Tross sei sie über den Mozartplatz in Salzburg am berühmten Mozart-Denkmal vorbeigezogen, gegen die FPÖ, die Rechtskonservativen, und habe für offene Homosexualität und ebensolchen Drogenkonsum demonstriert. Michael Stolhofers Schalk blitzt auf. «Es ist wichtig, den Feind zu kennen, um den Sturm in die richtige Richtung entfachen zu können, nicht wahr?»
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Tanz Oktober 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 60
von Arnd Wesemann
Transatlantischer Doppelpack
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