Entgleisung und Verzweiflung

Eugene O’Neill «Eines langen Tages Reise in die Nacht» (Badisches Staatstheater, Württem­bergisches Staatstheater)

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Einmal eine grünlich vermoderte und wasserunterspülte Bretter-Bruchbude als nach allen Seiten vernagelte Familiengruft, einmal eine piccobello furnierte Wohn-Esszimmer-Kombina­tion mit offener Terrasse in Cinema­scope-Breitformat. Einmal zeitlos stilisierte Familienaufstellung, einmal psychologischer Realismus im 40er-Jahre-Ambiente. Einmal choreografiert entgleisendes Herumspritzen mit Was­ser, Whisky und Wahrheiten, einmal differenzierte Darstellung der Abrech­nung im Absturz.

Einmal fatal verstrick­te Verhaltenstypen, die das Muster ihrer gegenseitigen Selbstzerstörung als gespenstische Wiedergänger durchlau­fen. Und einmal gegenseitige Verletzungen, die sich nur diese Individuen in nur diesem Moment zufügen können. Eine kurzfristige Spielplanänderung in Karlsruhe hat dazu geführt, dass im südlichen Bindestrich-Land kurz nach dem Württembergischen auch das Badische Staatstheater Euge­ne O’Neills autobiografisches Suchtfamiliendrama herausbrachte. Das Ergebnis: zwei eklatant verschiedene, je­weils auf ihre Weise überzeugende Inszenierungen.
In Stuttgart beschwört Barbara-David Brüesch das Geisterhafte der Si­tuation: Wenn im ersten Akt die Fa­mi­lie Tyrone – der reiche und geizige ...

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Theater heute Juni 2007
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Andreas Jüttner

Vergriffen
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