Entgleisung und Verzweiflung
Einmal eine grünlich vermoderte und wasserunterspülte Bretter-Bruchbude als nach allen Seiten vernagelte Familiengruft, einmal eine piccobello furnierte Wohn-Esszimmer-Kombination mit offener Terrasse in Cinemascope-Breitformat. Einmal zeitlos stilisierte Familienaufstellung, einmal psychologischer Realismus im 40er-Jahre-Ambiente. Einmal choreografiert entgleisendes Herumspritzen mit Wasser, Whisky und Wahrheiten, einmal differenzierte Darstellung der Abrechnung im Absturz.
Einmal fatal verstrickte Verhaltenstypen, die das Muster ihrer gegenseitigen Selbstzerstörung als gespenstische Wiedergänger durchlaufen. Und einmal gegenseitige Verletzungen, die sich nur diese Individuen in nur diesem Moment zufügen können. Eine kurzfristige Spielplanänderung in Karlsruhe hat dazu geführt, dass im südlichen Bindestrich-Land kurz nach dem Württembergischen auch das Badische Staatstheater Eugene O’Neills autobiografisches Suchtfamiliendrama herausbrachte. Das Ergebnis: zwei eklatant verschiedene, jeweils auf ihre Weise überzeugende Inszenierungen.
In Stuttgart beschwört Barbara-David Brüesch das Geisterhafte der Situation: Wenn im ersten Akt die Familie Tyrone – der reiche und geizige ...
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Das Leben als Ganzes – ein Thema für das Kabarett. Wer fühlt sich heute schon frei, heil und ganz? Stückwerke sind wir, Fragmente, bestenfalls noch offene Systeme. Martin Heckmanns wagt es, ein ganzes Leben zu zeigen – als Komödie, als dramatisierten Comic-Strip mit einem ewig scheiternden Helden, dem die Identitätskonstruktion so gut gelingt wie den meisten von...
Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei...
Prix Olympic
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