Entgleisung und Verzweiflung
Einmal eine grünlich vermoderte und wasserunterspülte Bretter-Bruchbude als nach allen Seiten vernagelte Familiengruft, einmal eine piccobello furnierte Wohn-Esszimmer-Kombination mit offener Terrasse in Cinemascope-Breitformat. Einmal zeitlos stilisierte Familienaufstellung, einmal psychologischer Realismus im 40er-Jahre-Ambiente. Einmal choreografiert entgleisendes Herumspritzen mit Wasser, Whisky und Wahrheiten, einmal differenzierte Darstellung der Abrechnung im Absturz.
Einmal fatal verstrickte Verhaltenstypen, die das Muster ihrer gegenseitigen Selbstzerstörung als gespenstische Wiedergänger durchlaufen. Und einmal gegenseitige Verletzungen, die sich nur diese Individuen in nur diesem Moment zufügen können. Eine kurzfristige Spielplanänderung in Karlsruhe hat dazu geführt, dass im südlichen Bindestrich-Land kurz nach dem Württembergischen auch das Badische Staatstheater Eugene O’Neills autobiografisches Suchtfamiliendrama herausbrachte. Das Ergebnis: zwei eklatant verschiedene, jeweils auf ihre Weise überzeugende Inszenierungen.
In Stuttgart beschwört Barbara-David Brüesch das Geisterhafte der Situation: Wenn im ersten Akt die Familie Tyrone – der reiche und geizige ...
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Anfang Mai bot sich den Brandenburger Wochenendspaziergängern, die am Joachimstaler Aussichtsturm vorbeikamen, ein ungewöhnliches Bild. Ein fast leeres Feld, um das herum viele Menschen sitzen, die einem Mann ausdauernd und hochkonzentriert bei der Verrichtung von Feldarbeit zusehen. Und als wäre das noch nicht bemerkenswert genug: ein dichtes Gewirr von...
Nimmt man’s genau und nach Homer, steht vor der glücklichen Wiedervereinigung von Odysseus und Penelope ein großes Schlachten: Odysseus tötet die Freier, die sich während seiner 20-jährigen Kriegs- und Irrfahrten zuhause um seine Frau geschart hatten, und die illoyalen Knechte und Mägde gleich mit. Im Hamburger Malersaal, wo Klaus Schumacher in einem vierstündigen...
Prix Olympic
Nein, da irrt Peter Zadek. Nachdem er nicht zur Verleihung des «Europäischen Theaterpreises» nach Thessaloniki gekommen war, wurde ihm das Preisgeld von respektablen 30.000 Euro schlicht gestrichen. Die anwesenden Gremien-Granden der «Internationalen Vereinigung der Theaterkritiker», angeführt von Georges Banu, wollten es so. Zadek teilte...
