Madonna kann der Schlüssel sein
Zuerst ist immer die Kunst. Kritik ist sekundär. Weshalb sich Kritik in erster Linie an der Kunst schult und nicht umgekehrt. Und weshalb die Neigung der Kritik immer eine Frage der ersten großen Liebe und die Perspektive eines Kritikers unbedingt immer auch eine Generationenfrage ist. Anders kann es gar nicht sein. Man wächst mit einer bestimmten Ästhetik auf, fühlt sich damit vertraut, glaubt, sie intellektuell zu erfassen. Bei mir war das von Anfang an die Baumbauer- beziehungsweise Marthaler-Schule.
Ich hatte in Basel studiert, und da waren Anfang der neunziger Jahre unter der damaligen Baumbauer-Intendanz Leute wie Christoph Marthaler, Jossi Wieler, Frank Castorf, Matthias Lilienthal, Anna Viebrock, Stephanie Carp, die Schauspieler André Jung oder Josef Ostendorf noch ganz am Anfang. Das war meine Initiation. Theater als Lebensraum, natürlich auch als intellektueller Lifestyle und Herausforderung an den herrschenden Konventionsgeist. Was für Leute, die zwanzig oder dreißig Jahre älter sind als ich, einmal Peter Stein und seine Berliner Schaubühne waren, das war für mich der Start der Baumbauer-Schule. That was it. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass ich mich, als die ...
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Die amerikanische «Luftbrücke» hatte Berlin im Auftrag von Sat.1 gerettet, RTL war für «Die Sturmflut» von Hamburg verantwortlich, das ZDF organisierte die Bombardierung von «Dresden»: Gleich dreimal hintereinander erzielte die Berliner Filmfirma «Teamworx» im letzten Winter mit aufwändig inszenierten Historienstoffen Millionenquoten. Dabei hatten die Autoren...
Franz Wille «Heuschrecken», Ihr neuestes Stück, kann man als Fortsetzung der «Belgrader Trilogie» und «Familiengeschichten. Belgrad», den Serbien-Stücken von Mitte und Ende der neunziger Jahre, lesen. Seitdem ist viel geschehen. Milosevic ist tot, die EU wächst und wächst, Serbien ist ein – na, fast – demokratischer Staat. Alles hat sich bestens entwickelt?
Biljan...
Samuel Finzi, der Tänzer, der Clown, der Musiker unter den deutschen Schauspielern. Der Elegante. Der Zauberer. Als Iwanow zeigt er, wie eine Figur auf offener Bühne verschwindet, obwohl sie körperlich anwesend bleibt. «Wie machen Sie das?», fragte Henning Rischbieter ihn nach der Premiere anerkennend, und das ist etwas, worauf der 40-Jährige wirklich stolz ist....
