Lotte Kotte lebt hier nicht mehr

Das Theater muss wieder ankommen in einer Gesellschaft, die bestimmt ist von vielfältigen Biografien,Kulturen, Lebensentwürfen

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Lotte Kotte ist eine traurige Heldin, die vor vielen Jahren von Botho Strauß auf den Weg durch die Vorhölle bundesrepublikanisch-bürgerlicher Wohlstandsverwahr­losung geschickt wurde. Sie – und mit ihr eine ganze Generation kritischer Theatermacher – fand nicht viel Gutes, Wahres, Schönes zwischen Remscheid und Essen. Der bürgerlich verfassten Gesellschaft wurde in geistiger wie in politischer Hinsicht nicht viel zugetraut, im Gegenteil: Vor allem die Überwindung bürgerlicher Paradigmen schien erstrebenswert in jenen Jahren.

Heute, mehr als dreißig Jahre später, fragt das Stadttheater besorgt nach seiner Bedeutung in einer nicht mehr homogenen bürgerlichen Gesellschaft. Es betrauert plötzlich den Verlust eben jener bürger­lichen Tugenden, die es einst bekämpfte und denen es zugleich als Institution seine Existenz verdankt, und sucht nun nach seiner Funktion in der Stadtgesellschaft jenseits eines für alle verbind­lichen Bildungskanons. Die Erosion bürgerlicher Verhältnisse, einst Ziel unzähliger ästhetischer und theatraler Programme, hinterlässt nicht Freiheit und Selbstgewissheit, sondern Unsicherheit und offene Fragen.

Raus ging das Theater immer schon. Doch ging das Theater einst ...

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Theater heute August / September 2010
Rubrik: Debatte, Seite 45
von Anselm Weber, Sabine Reich, Thomas Laue

Vergriffen
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