Literaturfilm: Lustige Hooligans
Guten Morgen, ihr Arschlöcher!», brüllt Vandam über den Plattenbau. Hart, aber herzlich geht es zu in der Prager Vorstadt, wo Vandam und Psycho tagsüber einen Hilfsjob auf dem Bau absolvieren und sich abends in Luckas Kneipe die Kante geben. Aggro-Typen, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Obwohl, das mit dem Herz ist so eine Sache: Vandam behauptet, 1989 bei der Samtenen Revolution dabei gewesen zu sein, in vorderster Front sogar, als protestierende Studenten auf der Nationalstraße zusammengeprügelt wurden. Ein Held der Revolution.
Wären da nicht die Gerüchte, dass Vandam womöglich gar nicht auf Seiten der Demonstranten mitgemacht hätte, sondern als Polizist. Andererseits: Kneipengeschwätz. Man weiß es nicht. Aber man ahnt, dass die Rollen nicht so klar verteilt sind, wie man zunächst gedacht hat.
Jaroslav Rudiš’ 2013 erschienener Roman «Nationalstraße» ist raffiniert aufgebaut: ein grobes Sittenbild von der Schattenseite der Gesellschaft einerseits, eine fragile Liebesgeschichte andererseits, und fast unbemerkt schleicht sich auch noch eine politische Unschärfe in die Erzählung. Auch Theresa Welge konnte diese Vielschichtigkeit für ihre Theaterfassung 2017 am Theater ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Falk Schreiber
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