Life is live
Natürlich gehen wir davon aus, dass die Pandemie irgendwann enden wird, aber werden wir danach wirklich wieder zur «Normalität» zurückkehren? Was heißt denn schon «Normalität»? Werden wir überhaupt wieder vor vollen Tribünen spielen dürfen? Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. In gewisser Weise gilt das ja ganz grundsätzlich fürs Theater. Oder um es mit Schlingensief zu sagen: «Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können.
» Ich schlage vor, wir definieren zwei künstlerische Phasen während der Pandemie: Die erste dauert von März bis November 2020. Die zweite beginnt im November 2020 und ist noch nicht beendet. In der ersten Phase kommen die meisten Theater zum totalen Stillstand. Man sitzt beklommen zu Hause und entdeckt zögernd das Konferieren im Zoom. Erste digitale Formate werden entwickelt. Unsere Streaming-Plattform am Schauspiel Köln nennen wir «Dramazon Prime». Es entstehen kleine (Smartphone-)Filmchen, die ihr «Hallo, es gibt uns noch!» in die düstere Endzeitwelt hinausrufen. Rauchzeichen aus den Quarantäne-Bunkern. Beim Schauen stellt sich oft Scham ein. Mir fehlt die Kraft, es zu untersagen. Die ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 72
von Stefan Bachmann
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 62. Jahrgang
Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
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Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon...
Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...
Drei Frauen in einem Hochhaus: Großmutter Sugar, Mutter Viki und Tochter Kitti. Das Hochhaus zwischen heimeliger Zärtlichkeit und brutalistischer Kälte. Kitti, 17 Jahre alt, ist schwanger. Sollte sie – so jung – ein Kind bekommen? Der Vater Maik – «ein blonder Junge, schiefes Lächeln» – wohnt ein paar Stockwerke über ihnen, mit Vater und Großvater, ein Gegenstück...
