Johnny Zoss und das böse Virus
Auf die Idee hätte schon längst mal jemand kommen können: Im heißen Herzen der angesagtesten Kreativmeilen der Hauptstadt, wo nur die hipsten Hipster der internationalen Kunstszene operieren, also ungefähr ziemlich genau in der Pappelallee 15 am Prenzlauer Berg, wütet ein gefährliches Mainstream-Virus, das alle Gehirne infiltriert.
Dieser phonetisch unscharfe «Na(r)zi-Keim», hinter dem sich weniger braune Kellerasseln als allgegenwärtige narzisstische Selbstdarsteller verbergen, sozusagen diktatorischer Narzissmus, steht kurz vor der Weltherrschaft, und kann nur durch den beherzten Eingriff von Johnny Zoss und seinen Getreuen verhindert werden, die die ganze Gegend in ein Splatter-Movie verwandeln, bis sie sich selbst zerstört.
Exploitationfilmer Zoss, von der Schlingensief-Heroine Kerstin Grassmann mit Turmfrisur, Sonnenbrille und einer gefriergetrocknet modulationslosen Stimme in eine Walküre der Coolness verwandelt, hat im Ballhaus Ost sein angemessenes Grindhouse-Kino gefunden: einen ramponierten billigen Schuppen mit versifften Kellerräumen, wo schmuddelige Kunstfilme entstehen, zusammengehalten vom unerschütterlichen Glauben an Experiment, Dilettantismus und Selbstdesign.
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Berlin Ballhaus Ost, Seite 51
von Ffanz Wille
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