Liebe zur Stadt
Das Bild des Boulevard de Temple, des Pariser Theaterviertels – gedruckt auf einem Gaze-Vorhang – hängt wie eine Erinnerung, wie ein Mahnmal auf der Bühne. Eine Fotografie aus dem Jahr 1838, für die Louis Daguerre die Straßenszene so lange belichtet hatte, dass alle Menschen in Bewegung nicht mehr zu erkennen sind. Bloß noch ein Schuhputzer und sein Kunde sind auf der Schwarz-Weiß-Aufnahme zu sehen. Die Daguerreotypie als politisches Idealmotiv: «Das ist doch ein Stadtbild, was sich sehen lässt. Schön leer.
Aber mit Dienstleistungssektor», debattieren sie hier anspielungsfreudig. Und das ist nur ein Link unter vielen hinein in Gesellschaftsanalyse und Tagespolitik an diesem Abend.
Das Text- und Regieduo Nele Stuhler und Jan Koslowski hat in seiner vierten Arbeit für das Schauspiel Frankfurt ein Stück entwickelt, das sich selbst beim Entstehen zuschaut. Lauter Anfänge, Einfälle und Andeutungen. Lauter Situationen, die kalauerlustig den Zeitgeist durchleuchten. Der Titel «Die Affäre auf der Straße nach Monaco / L’affare di via Monaco» spielt selbstredend auf Labiches Komödien-Klassiker «Die Af -färe Rue de Lourcine» an. Der Boulevard als Straßenbeschreibung und als Theaterform – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Sarah Heppekausen
Die Leute strengen sich einfach nicht ausreichend an. «Unter Druck entstehen Diamanten», weiß der gegelte Businesstyp vom «Hanseatischen Kaufmannsbund» (Rune Jürgensen), der einen Preis für vorbildliches Engagement im Rattenrennen an den Autor Olivier David verleihen will. «Jeder kann es schaffen!», beschwört er den Leistungsgedanken, und David ist dafür das beste...
Ungefähr auf der Hälfte des Romans fragt Harris seine Frau, was denn eigentlich los sei. Fieberhaft überlegt die Ich-Erzählerin, was sie anstelle der Wahrheit sagen könnte – anders als sie Harris erzählt hat, ist sie nämlich gar nicht mit dem Auto von L.A. nach New York gefahren, sondern hat sich bereits im Vorort Monrovia in den viel jüngeren Tankstellengehilfen...
Das Stück "To My Little Boy. Held aus Polyester" kann aufgrund seiner komplexen Formatierung nicht im Browser dargestellt werden. Abonnenten können es im E-Paper der aktuellen Ausgabe lesen.
