Game over
Die Leute strengen sich einfach nicht ausreichend an. «Unter Druck entstehen Diamanten», weiß der gegelte Businesstyp vom «Hanseatischen Kaufmannsbund» (Rune Jürgensen), der einen Preis für vorbildliches Engagement im Rattenrennen an den Autor Olivier David verleihen will. «Jeder kann es schaffen!», beschwört er den Leistungsgedanken, und David ist dafür das beste Beispiel, denn: Der kommt aus prekären Verhältnissen im Plattenbauviertel Steilshoop auf die Bühne des Ernst Deutsch Theaters.
Die Preisverleihung erweist sich dann freilich als – leicht holzhammerhafter – kabarettistischer Einstieg in Davids autobiografisches Memoir «Keine Aufstiegsgeschichte – warum Armut psychisch krank macht»: Statt des Autors entert das restliche Ensemble die Bühne und erzählt vom Überlebenskampf am Rande der Gesellschaft, im Stile eines Computerspiels, bei dem die verbleibenden Leben schnell weniger werden. Game over. Seit Herbst leiten Ayla Yeginer und Daniel Schütter das Ernst Deutsch Theater, das mit 743 Plätzen größte private Sprechtheater der Republik. Personelle Kontinuität also, ist Schütter doch der Sohn von Vorgängerintendantin Isabel Vértes-Schütter, und die ist die Witwe von ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
«Wo fing das an, was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert?», singen «Die Sterne» seit 1996. Gute Frage. Zwei sehr unterschiedliche Romanadaptionen am Schauspiel Düsseldorf geben zwei sehr ähnliche Antworten: Das Leben ist passiert, es fing an mit der Gesellschaft und ihren Zwängen, und alles ruiniert hat schließlich der Krieg als Brandbeschleuniger: Tilmann...
Ein Leben ohne Männer in schwesterlicher Gemeinschaft, fernab von patriarchalen Erwartungen. In den sozialen Medien steht bei manchen jungen Frauen ausgerechnet das zölibatäre Ordensleben hoch im Kurs; spätestens seit drei betagte Chorschwestern aus Goldenstein Ende 2025 ihr Kloster besetzten und damit viral gingen, scheint das Dasein als Nonne im Trend zu liegen....
Vor allem ist Theater ein Medium des Zusammenkommens; ein Ort, um sich über sich selbst zu verständigen, sich auszuprobieren, zu diskutieren. Auch deshalb sind nach wie vor viele Künstler:innen fasziniert von Occupy Wall Street und anderen aktivistischen Eruptionen: Weil sie zeigen, wie kraftvoll ein Raum gemeinsamer Präsenz und Imagination sein kann. Während...
