Game over
Die Leute strengen sich einfach nicht ausreichend an. «Unter Druck entstehen Diamanten», weiß der gegelte Businesstyp vom «Hanseatischen Kaufmannsbund» (Rune Jürgensen), der einen Preis für vorbildliches Engagement im Rattenrennen an den Autor Olivier David verleihen will. «Jeder kann es schaffen!», beschwört er den Leistungsgedanken, und David ist dafür das beste Beispiel, denn: Der kommt aus prekären Verhältnissen im Plattenbauviertel Steilshoop auf die Bühne des Ernst Deutsch Theaters.
Die Preisverleihung erweist sich dann freilich als – leicht holzhammerhafter – kabarettistischer Einstieg in Davids autobiografisches Memoir «Keine Aufstiegsgeschichte – warum Armut psychisch krank macht»: Statt des Autors entert das restliche Ensemble die Bühne und erzählt vom Überlebenskampf am Rande der Gesellschaft, im Stile eines Computerspiels, bei dem die verbleibenden Leben schnell weniger werden. Game over. Seit Herbst leiten Ayla Yeginer und Daniel Schütter das Ernst Deutsch Theater, das mit 743 Plätzen größte private Sprechtheater der Republik. Personelle Kontinuität also, ist Schütter doch der Sohn von Vorgängerintendantin Isabel Vértes-Schütter, und die ist die Witwe von ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Falk Schreiber
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