Liebe deine Katastrophe
Hinlänglich dechiffriert ist der heimlich religiöse Subtext aller politischen Ideologie – die Aufhebung der Mühsal am Ende aller Zeit, am jüngsten Tag, am Ende des Kampfes, am Ende der Welt, am Ende der Revolte. Kurz mag das Religiöse also im Politischen Zuflucht gefunden haben, um bald darauf wieder ohne Obdach auf der Straße zu stehen. Aber zum Glück gibt es ein Allverzehrendes, das sich wirklich jeden letzten Rest einzuverleiben weiß – ganz wie es selbst, ganz wie das Religiöse, das, so Alain Badiou, an keinem Gift, das man ihm verabreicht, zu Grunde zu gehen gedenkt.
So wird auch das Kapital mit jedem Kadaver, den es frisst, nur feister, und der Platzierung des Produktes kann eine in Aussicht gestellte Erlösung nur dienlich sein. Natürlich glaubt man nicht, dass das Produkt zu retten vermag, aber das Produkt ist die Krücke, ist Trägersubstanz, Katalysator für die chemische Reaktion zwischen Mensch und Mensch, ist ein Gleitmittel für die Erlösung, für den Eintritt des Nebenmenschen. Und zugleich, und nicht zuletzt, ist das Produkt die Verschleierung des Umstandes, dass wir in Wahrheit nie Produkte konsumieren, sondern immer nur Nebenmenschen. Das Produkt verstellt den Blick auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Dramatiker des Jahres, Seite 76
von Ewald Palmetshofer
Und in den Nächten liegen wir stumm» ist das dritte Stück des 1981 in Gera geborenen Autors Thomas Freyer. Sein mehrfach ausgezeichneter Erstling «Amoklauf mein Kinderspiel» lässt drei Jugendliche aus dem Osten der Republik zu Wort kommen. Sie erzählen von ihrer Orientierungslosigkeit in einem Land, das ihren Eltern wie ihren Lehrern fremd ist. In dem sie weder...
Das Theater der Zukunft hatte der Dramatiker Heiner Müller vermutlich nicht vor Augen, als er, zehn Jahre vor dem Mauerfall und noch zu beschaulichen DDR-Zeiten, in seinem Revolutionsstück «Der Auftrag» einen kleinen Angestellten in den Fahrstuhl schob, am großen Auftraggeber vorbeifahren und in einem peruanischen Dorf wieder aussteigen ließ. Eher schon sah er in...
Ein 68er bin ich wahrlich nicht. Für Mitbestimmung hatte ich in den fünfziger Jahren demonstriert, als Teilnehmer von DGB-Kundgebungen. Da ging es darum, die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Industrie durchzusetzen. Heraus kam ein Kompromiss: Die erweiterte Mitbestimmung (paritätisch besetzte Aufsichtsräte, Arbeitsdirektoren in den Vorständen)...
