Liebe deine Katastrophe

Schon mancher ist an einer Grete erstickt. Nachdenken über einige «Faust»-Motive und darüber hinaus

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Hinlänglich dechiffriert ist der heimlich religiöse Subtext aller politischen Ideologie – die Aufhebung der Mühsal am Ende aller Zeit, am jüngsten Tag, am Ende des Kampfes, am Ende der Welt, am Ende der Revolte. Kurz mag das Religiöse also im Politischen Zuflucht gefunden haben, um bald darauf wieder ohne Obdach auf der Straße zu stehen. Aber zum Glück gibt es ein Allverzehrendes, das sich wirklich jeden letzten Rest einzuverleiben weiß – ganz wie es selbst, ganz wie das Religiöse, das, so Alain Badiou, an keinem Gift, das man ihm verabreicht, zu Grunde zu gehen gedenkt.

So wird auch das Kapital mit jedem Kadaver, den es frisst, nur feister, und der Platzierung des Produktes kann eine in Aussicht gestellte Erlösung nur dienlich sein. Natürlich glaubt man nicht, dass das Produkt zu retten vermag, aber das Produkt ist die Krücke, ist Trägersubstanz, Katalysator für die chemische Reaktion zwischen Mensch und Mensch, ist ein Gleitmittel für die Erlösung, für den Eintritt des Nebenmenschen. Und zugleich, und nicht zuletzt, ist das Produkt die Verschleierung des Umstandes, dass wir in Wahrheit nie Produkte konsumieren, sondern immer nur Nebenmenschen. Das Produkt verstellt den Blick auf ...

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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Dramatiker des Jahres, Seite 76
von Ewald Palmetshofer

Vergriffen
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