Anreden gegen die Einsamkeit
«Ich liebe Dich nicht mehr.» Der Satz, der alles ändert, alles zu beenden scheint. Drei Frauen, drei Generationen, ein Schicksal: Sophie (25), Nelly (35) und Simone (50) ringen um ihre Identität. Sie sind verlassen worden. Jetzt stehen sie vor sich selbst und voreinander und wissen nicht weiter. In neunundzwanzig Szenen und einem Prolog reden sie miteinander, übereinander und zusammen über ihr Schicksal und gegen die «unignorierbare Einsamkeit» an. Sie haben Biografien und sind doch viele, ein Chor der Einsamen.
Nach dem Schock der Trennung schwanken sie zwischen Schuldfragen, Unsicherheit, Selbstmitleid, Verlangen, Eifersucht, grenzenlosem Hass und Mordfantasien. Das Reden, ein Verstehensversuch (Sophie: «Das ist jetzt eben die traumhafte Wegwerfgesellschaft») und ein Kampf um Selbstbestimmung, obwohl sie noch immer unheilbar Liebende zu sein scheinen.
«Verlassen» – das ist eine Suada, ein Anreden gegen das Alleinsein, todtraurig, weil es keinen anderen Ausweg zu geben scheint, und bisweilen grandios komisch, weil von ungeheurer Maßlosigkeit in der Selbststilisierung zum «Opfer». «Ich lege mir eine Rolle zurecht: Ich bin derjenige, der weinen wird; und diese Rolle spiele ich ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 173
von Joachim Klement
Nicht zu übersehen, die Bühnenbildner des Jahres. Die drittplatzierte Muriel Gerstner (Preisträgerin 2006) hat für Sebastian Nüblings Uraufführung von Simon Stephens’ «Pornographie» ein grandioses Puzzle mit Breughels Turm von Babel entworfen, das nicht nur als Großmetapher dient, sondern die Schauspieler in und zwischen den Szenen ausführlich beschäftigt: als...
Nach dem Stück ist vor dem Stück, jedenfalls im nach wie vor begnadeten deutschsprachigen Theatersystem. Nie gab es so viele Uraufführungen, junge Autoren, Schreibschulen, Stückemärkte, Hausautoren, Auftragswerke und Preise wie in diesen gesegneten Zeiten!
Man könnte einen hochtourig laufenden Betrieb dahinter vermuten, wenn, ja wenn die Liebe nicht wäre: die Liebe...
Kein Wort. Nichts. Ich weiß um meine Rechte. Und deshalb sage ich ohne meinen Anwalt gar nichts.» Die ersten Worte des bekannten Schauspielers Jan Friedberg zeigen: Etwas ist schief gegangen. In Thomas Jonigks neuem Stück «Donna Davison» dreht eine Regisseurin einen pornografischen Kunstfilm. Der Inhalt ist simpel: Ein berühmter Schauspieler und eine...
