«Letztendlich geht es um Liebe»
In wenigen Branchen wird so intensiv nach jungen Talenten gefahndet wie in der dramatischen Literatur. Unentdeckt zu bleiben, wenn man etwas zu sagen hat, ist heutzutage kaum noch eine Gefahr. Was allerdings keine Garantie für anhaltende Bühnenpräsenz bedeutet, denn in den Spielplänen müssen die neuen Stücke mit Romanadaptionen und Projektentwicklungen konkurrieren, und es ist nicht selten, dass nach der Uraufführung, die allein die überregionale Presse anlockt, auch schon der letzte Vorhang fällt.
In Heidelberg jedenfalls glaubt man noch an die Kraft des eigens für sie geschriebenen Wortes auf der Bühne. Seit 33 Jahren richtet das Theater mit ungebrochenem Elan den Stückemarkt als einen der ältesten und renommiertesten Wettbewerbe für junge deutschsprachige Dramatik aus, dessen mit 10.000 Euro dotierter Autorenpreis mittlerweile noch durch einen Internationalen Autorenpreis (5.000 Euro) an ein Stück aus einem jeweils wechselnden Gastland und den Jugendstückepreis (6.000 Euro) ergänzt wird. Von der Vorgabe, dass die von Verlagen und auf Empfehlung ehemaliger Wettbewerbsteilnehmer eingereichten Stücke noch keine Uraufführung in Aussicht haben dürfen, hat man sich allerdings vor ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Festivals, Seite 46
von Silvia Stammen
Sie hat sich in den vergangenen Jahren zurückgezogen, jedenfalls ist schon seit Längerem wenig von ihr zu sehen: die Vision im Theater. Bildstarke, rätselhafte, beunruhigende, verstörende Bühnen werden seltener. Robert Wilson hat sich abgenutzt, junge Regisseure scheinen sich eher wenig für die Suggestivkraft fremder Bildwelten zu interessieren. Gegen diesen Trend...
Es ist noch ziemlich am Anfang dieser knappe fünf Stunden währenden Reise in die Nacht, da flimmern ein paar kurze Szenenausschnitte aus einem frühen Fassbinder-Film über die Screens, auf denen später die Castorf-Crew in stickigen Séparées übereinander herfallen wird.
«Warnung vor einer heiligen Nutte» aus dem Jahr 1971 heißt die radikale Selbstanalyse über ein in...
Jetzt ist die Gegenwart. Alles geschieht jetzt. Aber es ist zu viel, um alles zu verstehen. Das Theater ist die Kunst des Jetzt, die Kunst der Gegenwärtigkeit von Schauspielern und Publikum und die Kunst der Orientierung in der Zeit, damit wir verstehen, wo die Gegenwart in der Geschichte denn steht. Wie kann das Theater uns unsere Gegenwart verständlich machen,...
