Lehre der Täuschung
Sind wir nicht alle Meister in Sachen Fremd- und Selbsttäuschung? Entwickeln wir nicht die seltsamsten Strategien, um einen kleinen Vorteil zu erlangen, den anderen fertig zu machen oder ein wenig Liebe zu erhaschen? LaButes Figuren scheinen die fiktionalen Alter Egos des ganz normalen Zeitgenossen. Nett und redlich auf den ersten Blick, doch Vorsicht, wenn seine Tiefenschichten freigelegt werden.
Auch in seinen jüngsten drei Einaktern, die LaBute für die Schauspielerin Birte Schrein am Theater Bonn verfasst hat (mit der ihn seit einigen Jahren eine intensive Zusammenarbeit verbindet), tun sich Abgründe auf, die mitunter bis zu den fluchbeladenen Familienbanden der Artriden führen.
In «Die Furien», dem doppelbödigsten der drei Texte, trifft sich Paula nach einer kleinen Auszeit mit ihrem Noch-Freund Jimmy. Der hat jedoch als Unterstützung seine Schwester Jamie mitgebracht, die aufgrund ihrer Stimmbandpolypen nicht laut sprechen kann und ihrem Bruder permanent aufwiegelnd einflüstert, was er sagen soll. Doch dann kündet Paula ihren kurz bevorstehenden Tod an – oder ist es nur eine Taktik, um sich von Jimmy möglichst rückstandsfrei zu trennen? Auch in Jennifer Whighams Inszenierung, ...
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Erinnerung in Gegenwart zurückzuverwandeln – davon erzählte Jonke in seinem Theaterstück «Gegenwart der Erinnerung» (1995). Dass das niemals gelingen kann, weil es die Zeit und ihre Risse, die Erinnerung und das Vergessen, ja letztlich sogar Leben und Tod aufheben würde, wusste auch Jonke, und dennoch trieb er sein Spiel mit dieser Möglichkeit. Nicht aber, um sich...
Corinna Harfouch ist skeptisch. Es sei schon so viel über sie geschrieben worden, sagt sie am Telefon, als wir uns zum Interview verabreden wollen. Und sie langweile sich immer über sich selbst, wenn sie alles wieder und wieder erzähle. Es klingt weder zickig noch kokett: Sondern nach einem reflektierten, nachdenklichen Menschen, der schlichtweg keine Lust auf...
Als Harold Pinter im Dezember 2005 den Nobelpreis erhielt, war er keiner der üblichen Verdächtigen, eher ein klassischer Verlegenheitskandidat: Die Ehrung kam mindestens 25 Jahre zu spät, aber sie traf einen, der immer noch bekannt genug war, um allgemein akzeptiert zu werden. Fast wäre sie für alle Zeit zu spät gekommen: Schon damals war Pinter so krank, dass er...
