Legende
Eine Biografie von Rolf Hochhuth? Danach griffe man, weil sie längst fällig ist. Kein anderer deutscher Schriftsteller hat so viel Aufsehen, Ärger, Wut und Zustimmung nach Kriegsende in die Welt gebracht wie der zarte junge Lektor aus Eschwege. Nach einer Biografie verlangte er, als er sich dafür Birgit Lahann rief, die in ihren journalistischen Jahren u.a. beim »Stern» das unterhaltsame Schreiben gelernt hat.
Sie ist eine theatererprobte, belesene Frau, die dem auskunftsfrohen Hochhuth in den vielen Gesprächen, die sie mit- und gegeneinander führten, verehrend zuhörte und dem noch belesenerem, gedächtnisstarken Hochhuth sogar Etliches zutrug, was er noch nicht wusste.
Sie trafen sich in des Dramatikers aparter, bücherbeladener, von schönen, jungen, helfenden Frauen belebter Wohnung hinterm Adlon in Berlin, Blick auf das Holocaust-Monument, tranken Kaffee, auch Wodka, fragten, antworteten, ohne dass das Ergebnis eine formale Frage-Antwort- Inspektion einer berühmten Person wurde. Die geduldige Bekenntnissammlerin Lahann nannte, was daraus entstand, zutreffend «ein Gesprächsbuch», versehen «mit allem Witz, allem Wahnsinn, seinen Verdiensten, seinen Stücken, den Geschichten und ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Günther Rühle
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