Die Stadt, der Müll und die Kinder
Besucher überrascht Brüssel mit seltsamen Raumerfahrungen. Man passiert etwa den riesigen Justizpalast und steht plötzlich vor einem Fahrstuhl im Freien, der einen hinab in die Unterstadt bringt, als ginge es geradewegs zum Schafott. Sobald eine Straße hübsch oder elegant zu werden droht, stellt sich eine brutalistische Wand aus den Siebzigern oder eine düstere Kirchenfassade aus dem Barock in die Sichtlinie.
Und vor der gerade in den Regenbogenfarben der LGBT-Bewegung geschmückten Börse im Zentrum findet man sich in einem Meer verwelkter Blumen wieder: eine der wenigen sichtbaren Narben der Terroranschläge vom 22. März.
«Es gibt keine Harmonie in Brüssel», lacht Christophe Slagmuylder, angesprochen auf das widersprüchliche Stadtbild. Der gebürtige Brüsseler und künstlerische Leiter des Kunstenfestival des Arts führt es auch auf den gerade wieder aufbrechenden Dauerkonflikt, das «belgische Problem» zwischen Flamen und Wallonen zurück, das sich durch sämtliche politische und soziale Institutionen und selbst die Medien zieht: «Belgien ist eigentlich ein ‹failed state›», meint er, «die letzte Regierungsbildung hat 200 Tage gedauert. Brüssel ist der Ort, an dem Kompromisse ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Ausland, Seite 31
von Eva Behrendt
Terrasse, Salon, Parkbank, Pavillon, Terrasse, Salon, Parkbank … Wie eine Filmdiva auf dem roten Teppich dreht sich das Bühnenbild von Martin Miotk anfangs im Rampenlicht um die eigene Achse, lässt sich von allen Seiten bewundern, hüllt sich dann aber dezent in Halbdunkel – und der Film beginnt. Eine Leinwand im kitschigen Blumenrahmen bietet Einblicke in das...
Ein Bericht des Österreichischen Rechnungshofs glänzt nicht unbedingt durch die gewandteste Prosa. Aber dafür bietet er tiefe Einblicke in die eigenwilligen Finanzpraktiken am Burgtheater unter Matthias Hartmann, der in den fünf Jahren seiner Leitung von September 2009 bis zu seiner fristlosen Kündigung am 11. März 2014 über zwei Millionen Euro bezogen hat. Laut...
Ein «Pfingstwunder», jubelte das deutsche Feuilleton, als Maren Ades Film «Toni Erdmann», der erste deutsche Wettbewerbsfilm in Cannes seit acht (!) Jahren, die internationale Kritikerschar zu Standing Ovations hinriss. Keiner hatte damit gerechnet, dass eine fast dreistündige (!) deutsche (!) Komödie (!) 14 Tage lang als Favorit auf die Goldene Palme im Gespräch...
