Leben ohne Schonbezug
Plötzlich die Sehnsucht nach Natur. Bäume sehen! Himmelfläche. Weidenfläche. Schmerzfläche. Lust. Hinaus ins Grün. Achtlos über Laub. Bis außer Atem. Grundlos lachen. Sich halbtot lachen. Aus dem Schlafwandel erwacht plötzlich merken: Ich bin schon zu weit gelaufen. Hunger und quälende Lust auf Kaffee und Butterbrot, eine Stärkung. Um mich herum nur die blöde Natur.
» In eine dicke Decke gehüllt sitzt Tine Rahel Völcker auf einem ausrangierten Zahnarztstuhl inmitten einer verschneiten Baustelle neben dem Theater und liest für eine Gruppe von Menschen, die sich unter Wärmepilze drängen. Es ist «Nacht der Poeten» am Nationaltheater Mannheim zu Ehren der diesjährigen Hausautorin, die sich mit einem Text über ihre Reaktionen auf das Leben in der lauten und bisweilen prolligen Industriestadt dem Publikum vorstellt.
An diesem unwirtlichen Ort, vor Kälte und Aufregung zitternd, wirkt die Autorin wie eine Figur aus ihren Stücken, hin- und hergerissen zwischen Verlorenheit und Mut der Verzweiflung, zwischen verschiedenen Lebensentwürfen, zwischen Sehnsucht nach einem festen sozialen System und zerstörerischem Ausbruchsimpuls. Die 1979 im Westberliner Stadtteil Reinickendorf geborene ...
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