Leben ohne Schonbezug
Plötzlich die Sehnsucht nach Natur. Bäume sehen! Himmelfläche. Weidenfläche. Schmerzfläche. Lust. Hinaus ins Grün. Achtlos über Laub. Bis außer Atem. Grundlos lachen. Sich halbtot lachen. Aus dem Schlafwandel erwacht plötzlich merken: Ich bin schon zu weit gelaufen. Hunger und quälende Lust auf Kaffee und Butterbrot, eine Stärkung. Um mich herum nur die blöde Natur.
» In eine dicke Decke gehüllt sitzt Tine Rahel Völcker auf einem ausrangierten Zahnarztstuhl inmitten einer verschneiten Baustelle neben dem Theater und liest für eine Gruppe von Menschen, die sich unter Wärmepilze drängen. Es ist «Nacht der Poeten» am Nationaltheater Mannheim zu Ehren der diesjährigen Hausautorin, die sich mit einem Text über ihre Reaktionen auf das Leben in der lauten und bisweilen prolligen Industriestadt dem Publikum vorstellt.
An diesem unwirtlichen Ort, vor Kälte und Aufregung zitternd, wirkt die Autorin wie eine Figur aus ihren Stücken, hin- und hergerissen zwischen Verlorenheit und Mut der Verzweiflung, zwischen verschiedenen Lebensentwürfen, zwischen Sehnsucht nach einem festen sozialen System und zerstörerischem Ausbruchsimpuls. Die 1979 im Westberliner Stadtteil Reinickendorf geborene ...
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Ich bin Milan, sagt Milan, und ich koche gern, wirklich. Dann packt er seine Messer aus, säbelt ein bisschen auf ihnen herum, bis jeder eventuell vorhandene Schliff ruiniert ist und guckt zufrieden ins Publikum. Außer Milan gibt es noch Herbert, Marc und Samuel. Der eine fickt gern, der andere isst gern, und der dritte fühlt sich am wohlsten beim Autofahren oder an...
The history of my family started with my birth», sagt Savyon Liebrecht, «ich weiß nicht, wer meine Großeltern, meine Onkel, meine Tanten waren, meine Eltern haben nie ein Wort darüber verloren.» Zürich, Café Odeon. Wir sitzen an der Bar. Gut hundert Meter weiter schimmert der See, knapp hundert Jahre früher tranken Lenin, die Dadaisten und die künftige Crème de la...
Es war einmal ein namenloser Diener, der von seinem Herrn, einem gewissen Capulet aus Verona, eine Gästeliste in die Hand gedrückt bekam und darauf starrte wie jenes sprichwörtliche Schwein in jenes sprichwörtliche Uhrwerk. Der Kerl konnte weder lesen noch schreiben und hatte dennoch einen Auftrag zu erfüllen, der von ihm verlangte zu wissen, was geschrieben steht....
