Great, Britain!

In einem überraschend politischen Londoner Theatersommer landete das National Theatre einen Schnellschuss in Richtung Regenbogenpresse und Regierung, im Hampstead Theatre jährt sich der Miners’ Strike zum 30. Mal, in der NT-Spielstätte The Shed werden die Folgen des Kolonialismus im youtube-Zeitalter verhandelt, und am Royal Court schaut Simon Stephens auf die Schmerzgrenzen des Spätkapitalistismus.

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Schneller reagieren geht nicht: Nur einen Tag nach Ende des «Phone hacking»-Gerichtsverfahrens, das Großbritannien acht Monate in Atem gehalten hatte, verkündete das National Theatre, es habe parallel zum Prozess ein neues Stück geprobt: Richard Beans «Great Britain», inszeniert vom scheidenden NT-Intendanten Nick Hytner, beschäftigt sich mit eben jenem explosiven Skandal um die auflagenstarke «News of the World» des Medienmoguls Rupert Murdoch, um seine Handlanger und die vielen Politiker, die er in die Tasche gesteckt hat.

Paige Britain tritt im exekutiven Minirock mit Killerstilettos an die Rampe und erzählt, woran sie glaubt: «Titten, Bingo und die Todesstrafe für Päderasten». Das ist ihr Great Britain. Sie ist die dynamische Nachrichten­redakteurin beim fiktionalen, sanft ironisch betitelten Sensationsblatt «The Free Press», dessen Leitsatz lautet: «Wir zerstören das Leben anderer Leute für Dich, unseren Leser.» Diesen Spruch machen sich Paige und ihre Kollegen so zu eigen, dass sie Celebrity-Mülltonnen leeren, Polizisten Geld für Informationen zahlen und sich in Anrufbeantworter von königlichem Haushalt, Fernsehstars und Verbrechensopfern einhacken – all dies tatsächlich ...

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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Ausland, Seite 36
von Patricia Benecke

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