Great, Britain!
Schneller reagieren geht nicht: Nur einen Tag nach Ende des «Phone hacking»-Gerichtsverfahrens, das Großbritannien acht Monate in Atem gehalten hatte, verkündete das National Theatre, es habe parallel zum Prozess ein neues Stück geprobt: Richard Beans «Great Britain», inszeniert vom scheidenden NT-Intendanten Nick Hytner, beschäftigt sich mit eben jenem explosiven Skandal um die auflagenstarke «News of the World» des Medienmoguls Rupert Murdoch, um seine Handlanger und die vielen Politiker, die er in die Tasche gesteckt hat.
Paige Britain tritt im exekutiven Minirock mit Killerstilettos an die Rampe und erzählt, woran sie glaubt: «Titten, Bingo und die Todesstrafe für Päderasten». Das ist ihr Great Britain. Sie ist die dynamische Nachrichtenredakteurin beim fiktionalen, sanft ironisch betitelten Sensationsblatt «The Free Press», dessen Leitsatz lautet: «Wir zerstören das Leben anderer Leute für Dich, unseren Leser.» Diesen Spruch machen sich Paige und ihre Kollegen so zu eigen, dass sie Celebrity-Mülltonnen leeren, Polizisten Geld für Informationen zahlen und sich in Anrufbeantworter von königlichem Haushalt, Fernsehstars und Verbrechensopfern einhacken – all dies tatsächlich ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Ausland, Seite 36
von Patricia Benecke
Und es hat doch stattgefunden. Zwar mit Einschränkungen: Die Eröffnungspremieren mussten um einen Tag verschoben werden, an einzelnen Tagen gab es Streiks. Aber das Festival d’Avignon fiel nicht aus wie 2003 oder dieses Jahr kurz zuvor die Festivals von Uzès und Montpellier. Die Folgen wären zu massiv gewesen: ungedeckte Kosten, fehlende Engagements und...
Auf dem Titel des zahlenstärksten Theaterbuchs der Saison prangt schon seit Jahren eine weiße Statisitikkurve vor rotem Grund, die steil nach oben weist. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass die Fotovorlage um 45 Grad gedreht ist und die Kurve an ihrem obersten Punkt eigentlich gerade abfällt. Was die gerade veröffentlichte «Theaterstatistik 2012/13» des...
Bernd Noack Das Drama der Stunde ist «Die letzten Tage der Menschheit» von Karl Kraus. In Wien kann man gleich an zwei Häusern Neuinszenierungen sehen. Kraus selber sagte es praktisch voraus, dass man vergessen wird, was damals geschehen ist, und deshalb genauso weitermachen wird. Ist die Menschheit unfähig zu lernen?
Franz Schuh Die Tatsache, dass dieses Drama...
