Kunst und Anspruch
Es ist ja schon eine Grundsatzfrage, wie man ein derart verschwiemeltes Genre wie die Operette auch nur ansatzweise für die Bühne flott machen kann. Und wie man etwas so obszön Blödsinniges wie Jacques Offenbachs «Die Banditen» von 1869 ausgerechnet ins Neumarkt Theater in Zürich bringen kann. Etwas so dreist Doofes, das immerzu an eine Urfassung von «Das Wirtshaus im Spessart» mit Liselotte Pulver erinnert. Die ja trotz deutscher Filmkarriere eine Schweizerin war.
Über diesen Umweg der vergnügten Blondine und des Spessartschen Räuberwirtshauses ist es gar nicht verwunderlich, dass der sehr sexy Wonneproppen der «Banditen»-Inszenierung am Neumarkt Vivien Bullert als Räuberhauptmannstochter ist.
Sebastian Baumgarten ist mit Hilfe dieser leicht entzündbaren Fiorella ein absolut ranschmeißerischer Abend gelungen: Vor Beginn wird ans Publikum, das mehrheitlich an malerischen Kneipentischen verteilt sitzt, Wein ausgeschenkt, und zwar viel, denn schließlich ist man zu Beginn in der italienischen Kneipe «Garibaldi», die eben dem Räuberhauptmann Falsacappa (ein grandios schmieriger Sigi Terpoorten im 70er-Jahre-Pornostar-Look) gehört. Nach der Pause gibt es Wodka für alle, denn da haben ...
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England gewöhnt sich an seine neue Regierung. Die in ihren ersten Arbeitswochen mit den Worten «Sparprogramm» dem Arts Council England Budgetkürzungen von insgesamt fünf Prozent oder 23 Millionen Pfund verordnet hat. Das «goldene Zeitalter» der Investition in die Kultur unter Labour scheint erstmal vorbei. Doch, sagt Dominic Cooke, Intendant des Londoner Royal...
Ich hatte fast Angst vor ihm. Vor diesem großen, mächtigen Mann, der als Chuck in Dogville grob und gefühllos die junge Grace vergewaltigt. Konnte den Schauspieler Sebastian Kowski kaum ansehen, als wir nach einer Vorstellung zufällig nebeneinander an der Bar im Foyer standen, geschweige denn
ansprechen. Hielt vorsichtig Abstand, als wir für «Faust 21» probten, ich...
Woyzeck in Weimar, ausgerechnet. Zwar nicht im repräsentativen Nationaltheater unmittelbar im Rücken der großen Bronze-Klassiker Goethe und Schiller, sondern fünf Minuten entfernt im E-Werk: einer dieser zahllosen malerischen Ziegelbauten aus der industriellen Moderne, die mittlerweile als Romantikhotels für die (darstellenden) Künste eine neue Bestimmung...
