«Kritiker sein, ist ein bisschen wie Student sein»
Patricia Benecke Wie hat’s bei Ihnen angefangen, was ist Ihre erste Theatererinnerung?
Michael Billington Meine erste wichtige Erinnerung ist, wie meine Eltern mich 1948 zu Shakespeares «Troilus und Cressida» in Stratford-upon-Avon mitgenommen haben. Eine kuriose Entscheidung, denn ich war erst acht Jahre alt und in dem Stück, einer Art zynischer «Ilias», geht es um entwertetes Heldentum, sexuellen Verrat und körperliche Korruption.
Aber ich war vollkommen gebannt von der epischen Weite des Stücks, von der Sprache und von den Schauspielern: Paul Scofield, damals noch nicht berühmt, spielte Troilus. In unserer kargen Nachkriegswelt ließ dieses Stück das Theater reicher als unseren Alltag scheinen. Das war der Start meiner langen Liebe zu Shakespeare. Und weil wir nur acht Meilen von Stratford entfernt wohnten, konnte ich diese Leidenschaft richtig ausleben. In den 1950er Jahren habe ich so ziemlich alles gesehen, was in Stratford lief, mit Schauspielern wie Laurence Olivier, Michael Redgrave, Peggy Ashcroft und Edith Evans.
Benecke Während Sie in Oxford Anglistik studierten, haben Sie sich auch als Schauspieler und Regisseur versucht.
Billington In meiner Studienzeit, 1958 ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Theaterkritik, Seite 42
von
Sehr geehrtes, weißes amerikanisches Theater, als Gemeinschaft Schwarzer, indigener und PoC-(BIPOC-)Theatermacher*innen sind wir im Vermächtnis von August Wilsons Rede «The Ground On Which I Stand» zusammengekommen, um euch genau zu sagen, auf welchem Boden wir nach den Bürgerunruhen unserer Nation stehen.
Wir sehen euch. Wir haben euch immer gesehen. Wir haben...
Verena Großkreutz Herr Kosminski, wie haben Sie während des Corona-Shutdowns Kontakt gehalten zum Publikum?
Burkhard C. Kosminski Wir sind mit digitalen Angeboten online gegangen. Allerdings sehr dezent, denn das Streamen ist meiner Meinung nach eher was für ein Haus mit einer großen Theatergeschichte wie die Berliner Schaubühne oder das Berliner Ensemble. Die...
Es ist ein Kontrast, der sofort aufhorchen lässt. Diese zarte, beinahe ätherische Erscheinung, hellbraune Augen, rotbraune Locken, schön und zerbrechlich, und dann diese tief sonore Stimme mit leichtem österreichischen Timbre. Wenn man sie zum ersten Mal auf der Bühne erlebt, denkt man einen Moment lang, ist da noch wer, oder ist sie das? Sie ist es! Dieser erste...
