Komiker ihres Scheiterns

Was fehlt? - Armin Petras’ «HEAVEN (nach tristan)»

Theater heute - Logo

So sieht also der Himmel aus, jedenfalls der von Psychiater Königsforst, 57, aus Wolfen: Kurz nachdem der doppelte Selbstmordversuch mit Gattin Helga kläglich gescheitert ist, ergreift den Mann ein völlig neues Körpergefühl. Peter Kurth wischt sich den erbrochenen Pillenbrei von der Brille, pumpt die Lungen voll Morgenluft, reißt sich den mittelbraunen Anzug vom Leib, dass die Knöpfe spritzen, und hüpft mit stolzgeschwellter Wampe unter zum Schädelplatzen dröhnenden Tarzanschreien durch die Landschaft. Soll niemand sagen, dass im Abbau Ost keine Chancen stecken.

 

Zwar fügt sich Fritz Katers neues Stück bruchlos in die jüngste Reihe von Ost-Depressions-Dramatik, welche die sozialen Kontaktprofile einstürzender Plattenbauten feiert oder autonome Selbstversorgerstaaten in verwahrlosten Neubausiedlungen ausruft. Aber Fritz Kater wäre nicht Armin Petras und umgekehrt, wenn sich seine Figuren dem Unglück der Verhältnisse selbstmitleidig ergeben würden. Bei allen Lebenswegknicks und anderen Katastrophen haben sie sich noch immer am eigenen Schopf aus dem Schlamassel gezogen. So auch in diesem «Heaven» auf Erden. 

Noch im verpatzten Selbstmordversuch werden zwei schlechte DDR-Witze mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2008
Rubrik: Theatertreffen 08, Seite 26
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weite, Tiefe, Höhe

Es war ein denkwürdiger Abend, Ende Mai im letzten Jahr, als «König Lear» am Wiener Burgtheater Premiere hatte. Diverse Shake­speare-Stücke waren im Rahmen von Klaus Bachlers Shakespeare-Zyklus bereits über diese Bühne gegangen und alsbald wieder vergessen worden. Nun das: ein Epos von fünf Stunden, mit großem Atem inszeniert, märchenhaft und hochaktuell in einem –...

Haut und Knochen

Schiller ist ja berühmt für seine genialen Schlusssätze. «Der Lord lässt sich entschuldigen, er ist zu Schiff nach Frankreich.» Peng. Schluss, aus, Vorhang. Da steht die Queen Elizabeth ganz schön blöd da, ihre Feindin, die Stuart, ist zwar endlich tot, aber ihr (virtueller) Liebhaber, Lord Leicester, verschifft sich ausgerechnet zum katholischen Erzfeind nach...

Hut ab vor dem Einzelfall

Im letzten Bild von «Onkel Wanja», Jürgen Goschs Tschechow-Inszenierung am Deutschen Theater, sitzt Ulrich Matthes’ ausgemergelter Wanja zerstört auf der Lehmbank. Das Licht ist schon ziemlich tief gerutscht im mit Erde bestrichenen Bühnenkasten von Johannes Schütz und wirft lange Schatten, als ginge der Sonne nach einem anstrengenden Tag die Puste aus. Gerade ist...