Kolumne: Theaterferien

Über gesetzlich vorgeschriebene magische fünf Wochen

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In einem meiner früheren Leben bin ich Theaterkritiker gewesen. Da hatte ich den ganzen Sommer lang frei. Na gut, abgesehen von zwei, drei Tagen, an denen irgendwo auf dem Land im Park eines Herrenhauses oder am Rand eines aufgelassenen Militärareals Sommertheater gespielt wurde. Wie ich von dieser Arbeit leben konnte, weiß ich heute nicht mehr. Aber egal.

Und ob nun Peter Stein oder Christoph Schlingensief in Neuhardenberg, ob «Frau Luna» in Rheinsberg oder ein Shakespeare einer freien Theatergruppe voller Spielfreude und Witz in der Landeshauptstadt, es kann durchaus von Vorteil sein, dass der Mensch die Umstände vergisst.

Jetzt hatte ich wieder einen ganzen Sommer lang frei. Fünf Wochen am Stück, gesetzlich vorgeschriebene Ferienzeit und etwas Ausgleich für Wochenenddienste und so manchen Abend obendrauf, für im Theater verbrachte Feiertage und Feste wie Ostern und Weihnachten.

Fünf Wochen – eine geradezu heilige Zeit. Um nicht falsch verstanden zu werden: Über Arbeit klage ich nicht. Ich könnte im Theater wohnen und habe das Arbeiten dort immer als Privileg empfunden. Auch wenn nicht einmal in den Ferien wirklich Ruhe herrscht: Ich arbeite immer wieder etwas. Ich lese, ...

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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Martin Stefke

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