Kolumne: Krawall und Remmidemmi
Auf der Theater-Shitlist abgenutzter Begriffe steht der Begriff «Performance» weit oben: Wann immer die Form einer Aufführung nicht eindeutig als kostümiertes Rollenspiel durchgeht, muss es Performance sein. Oder wenn Anschluss an die Gegenwart bzw. jüngere Generation gesucht wird. So bewarb das klassikaffine Hamburger Thalia Theater ein Stück zur #MeToo-Debatte mit «Das Thalia Treffpunkt Studierenden-Performance-Ensemble zeigt eine szenisch-performative Montage aus Tanz, Text und Musiknarrativen».
Also irgend etwas ganz Freshes von jungen Leuten, die dem Theater ja normalerweise skeptisch gegenüberstehen.
Die ebenso theaterskeptische Freie Szene reklamiert seit den 1990er Jahren Performance als eigene Kunstform und Arbeitsweise für sich. Mit ausgestrecktem Mittelfinger erobert sie die Bühnen im Kampf gegen Theaterhierarchien, indem sie sich selbst und ihre eigenen Texte inszeniert, oft auch im Kollektiv. Das selig eingeschlafene Theaterpublikum muss entweder mitspielen oder auf den sicheren Sitzplatzabstand verzichten. Dieses Mitmachtheater ist zwar für manche eine Drohung, für andere allerdings der Grund, überhaupt ins Theater zu gehen. Was auch für das Ablehnen von ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 71
von András Siebold
Ein bisschen sieht es aus, als wäre ein Ufo mitten in der Stadt gelandet oder zumindest eine außerirdische Hüpfburg, die auch noch entfernte Ähnlichkeit mit dem Guggenheim-Museum in New York hat. Der aufblasbare Safe Space, den das Wiener Performance-Kollektiv God’s Entertainment anlässlich der 15. Ausgabe des Münchner Spielart-Festivals mitten auf den...
Wer ist Anna? Also Anna Sorokin oder Delvey – bei der Frage fängt’s ja schon an. Jene Anna jedenfalls, die sich als Millionenerbin ausgab und vor ein paar Jahren die New Yorker High Society aufmischte. Wie die junge Hochstaplerin Luxushotels, Banken, Freunde und Freundinnen um mindestens 275.000 US-Dollar betrog, war in einem von breitem Medieninteresse begleiteten...
Alles schön bunt hier, weich und rund: große Kuscheltiere, Fruchtgummis oder Frustpolster. Man kann auch weibliche Körperteile oder Utensilien assoziieren bei den Gegenständen, die auf der Bühne herumliegen. Eine Frau in Teilstücken als variable Bühnenlandschaft. Ein «weiblicher Kosmos» soll es sein, in den wir uns da gedanklich hineinbegeben. Nur im Hintergrund...
