Körper oder Geist?
Ein alter Mann (Edgar Selge) findet einen toten Jungen im Bett und stammelt «Papa». Was kann das sein? Es wird einige Zeit dauern, bis sich das Rätsel aufklärt: Der alte Mann ist eigentlich eine junge Frau, die sich in diesen fragilen Körper begeben hat, der tote Junge eigentlich ein alter Mann, ihr Vater, der im fremden jungen Körper an einem Aneurysma gestorben ist.
Es ist eine lange Reise bis zu dieser Erkenntnis, und sie führt mit Leyla (Maja Emde) und Trystan (Jonas Dassler), einem jungen Paar in der Krise, auf eine abgelegene Insel in eine noch abgelegenere Kommune. Dort treffen sich in einem romantischen Gutshaus zur Sommerzeit Menschen, um sich einer existenziellen Er -fahrung auszusetzen: dem Körpertausch (als «Body-Switch» seit Jahrzehnten ein beliebtes Genre vor allem im amerikanischen Kino). Die Tauschpaare werden ausgelost, und Leyla und Trystan werden mit Fabienne (Maryam Zaree) und Mo (Dimitrij Schaad) gematcht, einem ältergedienten Ehepaar mit drei Kindern, das Gegenmodell zum introvertierten melancho -lischen Liebespaar: Mo eine Rampensau der unangenehmsten Sorte, nach eigener Aussage «Siegertyp auf der Überholspur des Lebens», sie stabil, aber genervt vom ...
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Theater heute Februar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Barbara Burckhardt
Die Seele ist verletzbar. Das habe ich erfahren», gesteht die Schauspielerin dem Publikum, das über die Raumbühne verteilt auf Stühlen sitzt. «Stellen Sie sich vor, Sie haben keine einzige Schublade, in die Sie Ihre Notizen legen können. Jeder Raum ist vom Geheimdienst vermessen, jedes Wort kann mitgeschnitten werden. Jede intime Handlung wird belauscht.»
Im...
René Pollesch und Gob Squad gemeinsam an der Volksbühne. Da ist zunächst einmal ganz viel Erinnerung. An den Gießener Aufbruch um 2000 herum, als sich die Tore der Angewandten Theaterwissenschaften zur Praxis des Metropolen-Stadttheaters öffneten und Pollesch Gießener Vertraute im Prater auftreten ließ: Da war eine ungekannte Frische, als Gob Squad Passant:innen...
Kann man den Holocaust darstellen? Muss man es nicht sogar, wenn fast alle Zeitzeugen verstorben sind? Vielleicht auch, um Filmen wie «Schind -lers Liste» von Steven Spielberg nicht das Narrativ zu überlassen? Der steckte übrigens in der Postproduktion von «Jurassic Parc», als er seinen Hollywood-Blockbuster über den Holocaust drehte. Darüber plaudert das Filmteam...
