König Reich
Donald Trump, der in Elfriede Jelineks «Am Königsweg» namentlich nicht genannt wird und um den sich doch das ganze Stück dreht, hat in dieser Saison viele Theatermacher, Zuschauer und Kritiker in Atem gehalten. Vielleicht deshalb haben sie ihn und sich in «Am Königsweg» wiedergefunden und den Text mit 9 Stimmen zum Stück des Jahres gewählt – vor Ewald Palmetshofers Gerhart-Hauptmann-Überschreibung «Vor Sonnenaufgang» (7 Mal genannt).
Die Faszination für den König und seine Schamlosigkeit schlägt sich auch in anderen Kategorien nieder. Inszenierung des Jahres ist mit 6 Stimmen Falk Richters «Am Königsweg»-Uraufführung im Deutschen Schauspielhaus Hamburg! Gefolgt gleichauf von Simon Stones Strindberg-Sampling «Hotel Strindberg» am Wiener Akademietheater und der Berliner-Festspiele-Produktion von Vegard Vinge und Ida Müller «Nationaltheater Reinickendorf» mit jeweils 3 Voten.
Mit seinem Totaltheaternachbau in einer Lagerhalle im Berliner Stadtteil Reinickendorf hat das norwegische Duo Vinge/Müller außerdem die Bühne des Jahres gebaut: 8 Kritiker*innen haben dem Gesamtkunstwerk der beiden ihre Stimme gegeben. 3 Voten – und damit zweiter Platz – für SIGNAs Ausstattung der Mannheimer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: , Seite 150
von Red.
Hier ist es, das Stück zur Debatte um Geschlechtergerechtigkeit, zu #MeToo, zu Ohnmacht und Machtmissbrauch. Und überraschenderweise hat es die Gestalt eines mittelalterlichen Historiendramas. Christoph Nußbaumeders «Margarete Maultasch» ist aber, wie immer bei diesem Autor, viel mehr als nur ein Zeitstück: Es ist Volkstheater und ganz großes Kino, ausladender...
A-Seite: «Was Du in Deinem Herzen trägst ...»
Es gibt ein berühmtes Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff, das mich zutiefst berührt. In «Die tote Lerche» besingt die Dichterin den freien flatternden Flug und Gesang des kleinen Feldvogels («Ich stand an deines Landes Grenzen») und beschreibt ihre Sehnsucht, ebenso frei zu sein. Doch dann stirbt der Vogel und...
Ihrer Zeit voraus waren die Radikal-Theater-Avantgardisten Vegard Vinge und Ida Müller ja schon immer. Aber dass sie selbst konkrete erdrutschartige (National-)Katastrophen antizipieren, darf durchaus als kleines Novum gelten: Wer Ende Mai beim internationalen Musik- und Theaterfestival im norwegischen Bergen die jüngste Vinge-Müller-Produktion «Panini-BoysRoom»...
