Der badische Renditebürger
Wir sind im Nordschwarzwald, der ganz plötzlich zu einem Arizona für arme Badener wird. Der Grund ist dieser Dauerpraktikant Friedrich, der eine Goldader irgendwo im dunklen Forst erfindet, eine Superrendite verspricht und die imaginäre Wertschöpfungskette dem Chef seiner letzten Praktikumsfirma verkauft. Auf Dauer kann das nicht funktionieren, also versucht Friedrich, die Blähungen der Blase abzumildern. Das Resultat ist eine Komödie, die nicht zuletzt deshalb funktioniert, weil das Sujet des gestressten Zauberlehrlings an sich schon überaus komisch ist.
Wie kein zweiter seiner Generation kann Philipp Löhle aus einem globalisierungskritischen Tableau eine leichthändige Farce machen. «supernova» wartet allerdings auch mit einer für Löhle neuen Erzählebene auf. Plötzlich entdeckt Friedrichs Mutter die «körperliche Liebe in Zeiten der Faltenbildung» und interessiert sich zu allem Überfluss auch noch für die regionale Geschichte. Da kann es nicht ausbleiben, dass sie auf Friedrich Karl Franz Hecker stößt, der 1848 mit seinen Freischärlern gegen die Residenz in Karlsruhe zog und den Mythos von der einzigen deutschen Revolution begründete. Ganz gelungen ist das nicht, weil die ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Nationaltheater Mannheim, Seite 32
von Jürgen Berger
Warum kann man sich kein Musical vorstellen, das von Phil Collins handelt? Oder von Paul McCartney nach den Beatles? Von Nena gar? Das sind Fragen, die man sich auch noch stellen kann, wenn man drei Musiker-Musicals in loser Folge schaut, die im ersten Moment wenig eint. Außer der Tatsache, dass es nun auffallend viele Produktionen gibt, die Musikerbiografien...
Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemdröckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da...
«Ich bin der Meister», zischelt er. Nun ja, kann jeder mal so kühn behaupten. Falls lange
Unterhosen, löchrige Filzlatschen, schlurfende Schritte und ein irres Flackern im Blick dort-
zulande einen meisterlichen Aufzug hermachen, wird es wohl stimmen.
Dortzulande ist eine Adresse zwischen Traum und Trauma, eine geräumige Absteige in der Sadowaja, totalitäres Moskau,...
