Klischee und Schmonzette

Plakative Overflächensymbole statt realistischem Theater

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Eigentlich hatte die Inszenierung bei mir im Vorfeld schon gewonnen! Der Wirtschafts- und Finanzcrash bringt ja zurzeit geballte Krisenfolklore über das Theater: Überall strampeln wackere, redliche «kleine Leute» in existenzieller Verzweiflung gegen skrupel­lose Zigarren-Kapitalisten und/oder Pokerface-Banker an, was naturgemäß den Vorteil hat, dass sich neunzig Prozent des Parketts gerührt zurücklehnen können, weil sie weder der einen noch der anderen Gruppe angehören, für die «kleinen Leute» aber seit jeher eine große Fernsympathie hegen.

Und dann vergegenwärtigt Karin Beier Ettore Scolas Prekariatsfilm «Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen» von 1976, lässt die «kleinen Leute» nicht etwa wacker – und schon gar nicht redlich – strampeln, sondern für Cent-Beträge ihre Nächsten krankenhaus­reif schlagen, vergewaltigen oder Giftmordanschläge verüben, und nennt das Ganze im Untertitel «Eine bemerkenswert mitleidlose Komödie». Da die Schauspieler ausdrücklich in einer formalen Setzung – nämlich einem verglas­ten Container – stecken, sind unreflektierte Repräsentationsanmaßungen eigentlich nicht zu befürchten: Die Menschenzoo-Installation spielt den Deutungsball ...

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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die Inszenierung des Jahres, Seite 127
von Christine Wahl

Vergriffen
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