Kinder des Burnouts
Ich habe so viel radikale Empathie», bricht es aus Andela heraus. Wäre es anders, wäre sie auch gar nicht ins neue Cloudworking-Team aufgenommen worden. Damit die Empathie auch wirklich radikal bleibt, lässt Chefin Claudia nicht nur sie, sondern auch Tenzin, Adrian, Jasmina und Jan immer wieder vorm grellen Schreibtischlampenlicht niederknien, damit sie anschließend mit aller Gewalt ihre Körper gegen die Wand brettern. Sie sollen lernen, wie Rehe sich fühlen, wenn sie vom Scheinwerfer geblendet von der Motorhaube erfasst und von der Straße gecrasht werden.
Ein absurdes Ritual, bei dem gelegentlich auch Blut fließt.
In dieser Firma wird geschuftet, um verwundete Rehe zu retten. Zumindest scheinbar. Denn eigentlich geht es darum, den Umsatz der Firma zu steigern. Die fünf jungen Leute sollen fürs zielgruppenorientierte digitale Marketing sorgen. Tage- und nächtelange klicken sie sich nun durchs Internet und hacken in rasendem Tempo Texte in ihre Laptops, um online Kunden für die Produkte, etwa T-Shirts, zu finden, im festen Glauben, etwas Gutes zu tun. Denn zehn Prozent des Umsatzes soll dem Tierschutz zugute kommen.
«The Clickworkers» ist die vierte Arbeit des Europa-Ensembles, ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 44
von Verena Großkreutz
Den ganzen Tag lang überschlugen sich die Ereignisse. Schulen, Universitäten, Museen, Grenzen, alle geschlossen. Messen, Kongresse, Konzerthallen und Theater hatten sich vorher schon dem Druck der Corona-Pandemie gebeugt. Alle Theater? Nicht ganz. Ein mittleres Haus im südbadischen Freiburg hörte nicht auf, dem Virus Widerstand zu leisten.
Es ging ja noch um «Der...
«Was ist Wahrheit?», fragte der römische Statthalter Pontius Pilatus den Delinquenten Jesus und blieb nicht, dessen Antwort abzuwarten, sondern ging ab und wusch seine Hände in Unschuld. Modernen Wahrheitstheoretikern gilt Pilatus mit dieser Aktion als Visionär. Denn wer wollte wohl die Antwort kennen? Wo doch Wahrheit im Sozialen wie im Naturwissenschaftlichen...
«Ich bin Nana», stellt sich Annick Choco vor. «Ich komme aus den Armenvierteln, um die Reichenviertel zu erobern. Genau wie der Cancan.» Und dann wird getanzt: Die Beine fliegen, die Röcke heben sich, das Fleisch wirbelt, und Matthieu Svetchine probt einen kurzen Lapdance auf dem Schoß einer freundlich irritierten Zuschauerin. «Galop infernal», unterlegt mit fetten...
