Kind ihrer Zeit
Das Puppenheim im Titel ist gestrichen, dafür hat August Bebel den ersten Auftritt und spricht von der Misere der heutigen Ehefrau, aus dem1879 erschienen Text «Die Frau und der Sozialismus». Er ist damit genauso alt wie Ibsens «Nora», die Regisseur Tom Kühnel hier und heute verhandeln will. Das mit dem Sozialismus hat sich überlebt, aber die Misere ist geblieben.
Kühnel hängt sehr an diesem Damals. Das gilt auch für Kostümbildnerin Ulrike Gutbrod, die mit klassisch anmutenden Anzügen und Kleidern ein wahres Kostümspektakel auffährt.
Dabei laufen alle Frauen mit so genannten Tornüren herum, die zur Entstehungszeit des Stückes stark in Mode waren. Sie lösten den umständlicheren Reifrock ab und hingen wie Wurmfortsätze am Hintern der Frauen. Jo Schramm hat dafür eine weitgehend leere Bühne geschaffen, in deren Mitte wie auf einem Berg eine Art nachgebauter Tempel aufragt, den man auch als U-Boot-Turm lesen kann. Er stellt vor allem die Haustür der Familie Helmer dar, so dass über die Drehbühne mühelos zwischen innen und außen gewechselt werden kann.
Hier nun entwickelt sich das Drama um Nora und ihre gefälschte Unterschrift, die sie einst leistete, um ihrem Mann das Sanato -rium im ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Torben Ibs
Figuren
Gordon – Regisseurin Birgit – Schauspielerin «Julia» Ulrich – Schauspieler «Winston Schmitz» Günni – Schauspieler «O’Brien» Lennart – Schauspieler «Martin» Benni – Setrunner
Anmerkungen
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Nichts sehen, nur hören, hinhören müssen, weil das Auge keine Ablenkung findet in der Dunkelheit. Hören, dass Knochen splittern, Blut aus Wunden sickert, dass Menschen andere foltern, verhöhnen, vergewaltigen. 90 Minuten dauert «Vergeltung», Sebastian Baumgartens Live-Hörspiel eines Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg, mindestens 70 davon ist es dunkel. Wo...
