Keiner wie er
Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt.
Ein Subjekt, das sich selbst große Sensibilität attestiert, diese aber im Umgang mit allen anderen Menschen vollkommen missen lässt, die ihm alle Dienende sind, Objekte – seine lungenkranke Frau Agathe beispielsweise, eine stumme Rolle, hohläugig geschminkt, unterwürfig, scheinbar tumb, ob ihres angeblichen Mangels an Talent und Intelligenz pausenlos beschimpft und verspottet von ihrem Gatten: «Der einzige Reiz an dir ist der Hustenreiz.» Ist Bruscon doch ein Auserwählter, ein Übermensch: Staatsschauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion, selbsterklärtermaßen genialisch, nur von den Unbilden des Schicksals (sprich: der Ökonomie) in die Provinz geweht. Sein Theater ist ein Grenzgang, auch wenn es bloß die Grenzen der anderen sind, die permanent überschritten werden: «Frauen machen Theater, die Männer sind Theater.»
Theatermacher wie dieser sind ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Esther Boldt
Tobi Müller Mit «Holozän», dem Abend nach der Novelle von Max Frisch, ist Ihnen ein Hit zum Klimawandel gelungen, mit Einladungen und Preisen. Die Nachfolgearbeit heißt «Afterhour» und wurde als Poem zur Post-Pandemie verstanden. Im Nachtleben ist eine Afterhour allerdings ein Absturzladen, in dem man morgens noch einmal ganz viele Drogen nimmt und komische Dinge...
Auf einer Alsterwiese spielen Menschen. Sie werfen sich eine Plastikflasche zu, und wer die Flasche fallenlässt, legt ein Kleidungsstück ab, erst Schuhe, dann Shirt, dann Slip. Und bald ist alles ein großes Kichern, ein Klatschen von Haut auf Haut, ein Wackeln von Brüsten und Schwänzen. Es sind sexuell aufgeladene Bilder, die hier entstehen, aber gleichzeitig sind...
Ein letztes Mal tritt Farida Mtamakosi ans Mikrofon. Die Politikwissenschaftlerin hatte sich selbst blendend gelaunt als «political clown» vorgestellt und als ein zeitgenössischer Sisyphos mit Verve in den Kampf mit dem Bürokratie-Monster Ausländerbehörde gestürzt. Eine Schwarze Frau, die wusste, wer sie war, bis sie nach Deutschland kam und hier zur «Anderen»...
