Keiner wie er
Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt.
Ein Subjekt, das sich selbst große Sensibilität attestiert, diese aber im Umgang mit allen anderen Menschen vollkommen missen lässt, die ihm alle Dienende sind, Objekte – seine lungenkranke Frau Agathe beispielsweise, eine stumme Rolle, hohläugig geschminkt, unterwürfig, scheinbar tumb, ob ihres angeblichen Mangels an Talent und Intelligenz pausenlos beschimpft und verspottet von ihrem Gatten: «Der einzige Reiz an dir ist der Hustenreiz.» Ist Bruscon doch ein Auserwählter, ein Übermensch: Staatsschauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion, selbsterklärtermaßen genialisch, nur von den Unbilden des Schicksals (sprich: der Ökonomie) in die Provinz geweht. Sein Theater ist ein Grenzgang, auch wenn es bloß die Grenzen der anderen sind, die permanent überschritten werden: «Frauen machen Theater, die Männer sind Theater.»
Theatermacher wie dieser sind ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Esther Boldt
Wir, die Vereinigung belarussischer Theater (Belarus Theatre Community), sind ein unabhängiger Zusammenschluss der Theaterschaffenden in Belarus, der sich gegen die Rechtsverstöße und die Gewalt der Regierung nach den Präsidentschaftswahlen im August 2020 ausgesprochen hat. Wir bitten unsere Kollegen und die Theaterinstitutionen weltweit um Solidarität und...
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
«Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist», wusste schon Giuseppe Lampedusa in seinem Roman «Der Leopard». Der Theaterverlag – Friedrich Berlin hat seit vier Wochen einen neuen Eigentümer, den Deutschen Fachverlag in Frankfurt und mich, Torsten Kutschke, als geschäftsführenden Gesellschafter. Die ersten Begegnungen waren...
Ist es Zufall oder hat es eine tiefere Bedeutung? Wenn in Avignon im Papstpalast Tschechow auf dem Programm steht, bekommt der Ehrenhof ein neues Outfit. Zu seiner 75. Ausgabe hat sich das Festival (und die Stadt Avignon und das Departement Vaucluse) eine neue Bühne und eine schicke neue Bestuhlung im Palais des Papes geleistet: 1947 ziemlich bequeme, relativ weit...
