Keiner wie er

Thomas Bernhard «Der Theatermacher» im Schauspiel Frankfurt

Da ist er also, der Theatermann, von dem wir in den letzten Monaten so viel gelesen haben. Ein Machthaber vor dem Herrn, der sich allerdings weder Mantel noch Schuhe selber ausziehen kann, der Frittatensuppe und Mineralwasser, aber auch einen ganzen Stab Gehorchender und Dienender braucht, um überhaupt zurechtzukommen in der Welt.

 

Ein Subjekt, das sich selbst große Sensibilität attestiert, diese aber im Umgang mit allen anderen Menschen vollkommen missen lässt, die ihm alle Dienende sind, Objekte – seine lungenkranke Frau Agathe beispielsweise, eine stumme Rolle, hohläugig geschminkt, unterwürfig, scheinbar tumb, ob ihres angeblichen Mangels an Talent und Intelligenz pausenlos beschimpft und verspottet von ihrem Gatten: «Der einzige Reiz an dir ist der Hustenreiz.» Ist Bruscon doch ein Auserwählter, ein Übermensch: Staatsschauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion, selbsterklärtermaßen genialisch, nur von den Unbilden des Schicksals (sprich: der Ökonomie) in die Provinz geweht. Sein Theater ist ein Grenzgang, auch wenn es bloß die Grenzen der anderen sind, die permanent überschritten werden: «Frauen machen Theater, die Männer sind Theater.»

Theatermacher wie dieser sind ...

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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Esther Boldt

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