«paradies fluten»: Katharina Lorenz (Mutter), Peter Knaak (Vater) und Elisabeth Orth (Großmutter) in Robert Borgmanns Köck-Inszenierung. Foto: Georg Sulek/Burgtheater

Kein Land in Sicht

Saisonstart in Wien mit Anna Badoras «Iphigenie in Aulis/Occident Express» am Volkstheater und Thomas Köcks Neoliberalismuskritik «paradies fluten», inszeniert von Robert Borgmann im Akademietheater

Wien in den spätsommerlich warmen Tagen ist ein friedlicher Traum. Im Prater mauscheln die Bäume, selbst am Zentralfriedhof ist beste Stimmung, und frei und unbeschwert lässt sich nochmal das Leben in den Gassen an. Nur im Theater ist alles ganz anders. Gleich beide großen Bühnen der Stadt beginnen die neue Spielzeit mit dem Ende der Welt.

Im Volksthea­ter lässt Anna Badora einen Trupp erschöpfter Flüchtlinge in Öl und Schmutz versinken, an der Burg gestaltet Robert Borgmann das Verschwinden der Gewissheiten und den Ausverkauf letzter Hoffnungen als wüste Blut- und Erde-Schlacht. Nur draußen die Wiener Nacht war nach solchen Stunden des kalkulierten Schreckens und der verordneten Finsternis immer noch so natürlich und lau und klar.

Von Iphigenie bis Italien: «Scheiß Krieg»


Wo Worte nicht mehr helfen und von nichts mehr wahrheitstreu erzählen können, greifen beide Regisseure – und als hätten sie sich abgesprochen – tief in die Schlammkiste und verpacken den geschundenen Menschen in Matsch und Modder. Dann steht er nackt und bloß im Wolkenbruch bzw. Nieselregen der verunglückten Geschichte(n): Die Flucht vor den mordenden IS-Horden aus dem Irak durch das grenzendichte Europa und der ...

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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Bernd Noack