Kein Hauch von Swinton
Es ist schwer, sich Orlando nach dem Film von Sally Potter anders als mit dem Gesicht von Tilda Swinton vorzustellen. Ungreifbar und präsent zugleich, mehr Ahnung als Körper lebt er durch die Jahrhunderte. Sieht man in ihr den melancholischen Adligen, erscheint darin gleich auch das Gesicht einer aufgeweckten jungen Lady, sieht man die eigenwillige Gesellschaftsdame, blickt einem auch der sensible Elisabethaner entgegen.
Lily Sykes, Regisseurin der Darmstädter Aufführung von «Orlando», dem realistischen und erzählerischen Theater nicht abgeneigt, hat rein äußerlich einen Hauch Swinton an sich. Orlando, Swinton und Sykes, sie sind ein Versprechen! Ob sie wollen oder nicht, sie geben eine Idee auf die verlockende Welt zwischen den Geschlechtern, nicht auf simple Bisexualität, sondern auf jenes Land, wo sowohl Sex wie Gender sich auflösen und das ferne Land körperloser Freiheit beginnt.
Die Schauspielerin Katharina Susewind kommt nicht von hier. Sie bleibt immer Frau, auch wenn sie gekonnt über die Bühne stakst, wie das dem Manne in seinen Beinlingen wohl geziemte. Aber man kann dabei nicht vergessen, dass das Imitation ist, gelernt für diese Rolle. Susewind schafft es auch, den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Peter Michalzik
Einmal, da war der Abend noch nicht weit ins Feld geschritten, aber das Wummern war schon da, das Grollen der Großstadt, da trat Andreas Döhler als Franz Biberkopf zur Rampe und stanzte sich seinen Moment aus dieser metallenen Wirklichkeit, sein Bruchstück von «Berlin Alexanderplatz»: Wuchtig, urkräftig, wie hingerammt steht er da. Doch sein Blick verflüssigt sich,...
Nach der Premiere gab es Standing Ovations für Regisseur Gerhard Willert, und eine Schauspielerin brach beim Applaus in Tränen aus. Rührung oder Abschiedsschmerz? In Linz geht eine Ära zu Ende: Mit Intendant Rainer Mennicken verlässt mit Saisonschluss – nach 18 Jahren – auch Langzeitschauspieldirektor Willert das Haus, der schon unter Mennickens Vorgänger im Amt...
Eine Biografie von Rolf Hochhuth? Danach griffe man, weil sie längst fällig ist. Kein anderer deutscher Schriftsteller hat so viel Aufsehen, Ärger, Wut und Zustimmung nach Kriegsende in die Welt gebracht wie der zarte junge Lektor aus Eschwege. Nach einer Biografie verlangte er, als er sich dafür Birgit Lahann rief, die in ihren journalistischen Jahren u.a. beim...
