Kassel: Immer nur fast
Hundehalter mit schnüffelnden Vierbeinern haben sie angequatscht, die Nächte unter den Brücken waren zugig und die Frau im Backshop freundlich, als sie ihr abends das restliche Brot gab. Als sie dann «fast» eine Nahtoderfahrung hatte, ging ihr das doch ziemlich nahe. So ein blitzendes Messer findest du schließlich nicht alle Tage, und es schien ja auch alles prima zu passen: Das scharfe Ding und dieser heftige Wunsch, jetzt sollte doch bitte mal wieder Shaven möglich sein: «Achselhaare, Beinhaare, Schamhaare.
» Ein unbeabsichtigter Selbstmord in Folge einer unsachgemäßen Intim-Depilation, wäre so mit das Dümmste, was der temporären Obdachlosen widerfahren könnte, die Bettina Erasmy als Heldin ins Rennen schickt.
«Chapters» startete als Hörspiel und gewann im November 2014 den Publikumspreis der ARD-Hörspieltage. Die Protagonistin, so ist jetzt im Programmblatt zur Uraufführung zu lesen, wage einen «radikalen Aufbruch», vor allem aber vermesse sie das Gebiet von Leben und Erzählen. Es sei ein «Erzählen gegen den Tod», wie wir das von Sheherazade in «Tausendundeine Nacht» kennen. Im Text selbst will Maya allerdings zuerst einmal sehen, was Sache ist. «Könnte jemand mal bitte das ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Jürgen Berger
Es gibt in Avignon so etwas wie ein heimliches Ranking: Wer schafft’s am längsten? Ariane Mnouchkine, «Les Ephémères»: acht Stunden. Peter Brook, «Mahabharata»: elf Stunden. Antoine Vitez, «Der Seidene Schuh»: zwölf Stunden. Thomas Jolly, «Heinrich VI.»: 18 Stunden. Olivier Py, «La Servante»: 24 Stunden! In die mittlere Kategorie reiht sich nun mit elfeinhalb...
In diesen ersten Monaten des Exils schmerzte Kerr nicht nur die Trennung von Berlin. Er wartete auf Stimmen der zurückgelassenen Freunde und nahm nun wahr, dass manche von denen, die er zu seinen besten Freunden rechnete und die ihn «Freund» nannten, nichts mehr von ihm wissen wollten. Am tiefsten erschütterte ihn die Reaktion des von ihm so verehrten Gerhart...
Nach einer guten Stunde ging plötzlich das Saallicht an. Ein Techniker trat bei der Berliner «Empire»-Premiere in der Schaubühne auf die Bühne, erklärte, dass sich der Lichtcomputer irgendwie verschluckt habe und jetzt ein Back-up der Stimmungen einlesen müsse, was zwei, drei Minuten dauern werde, und verschwand. Die Schauspieler nahmen’s gelassen, das Publikum...
