Die Langstrecken- Künstler
Es gibt in Avignon so etwas wie ein heimliches Ranking: Wer schafft’s am längsten? Ariane Mnouchkine, «Les Ephémères»: acht Stunden. Peter Brook, «Mahabharata»: elf Stunden. Antoine Vitez, «Der Seidene Schuh»: zwölf Stunden. Thomas Jolly, «Heinrich VI.»: 18 Stunden. Olivier Py, «La Servante»: 24 Stunden! In die mittlere Kategorie reiht sich nun mit elfeinhalb Stunden Julien Gosselin ein, der «2666» nach dem Roman von Roberto Bolaño auf die Bühne gebracht hat.
Das Werk ist mehr Torso als Roman, «2666» besteht aus fünf vage verbundenen Teilstücken (in der deutschen Ausgabe 1096 Seiten), posthum erschienen. Bolaño starb 2003 an Leberversagen, während er auf eine Organtransplantation wartete. In den Grundzügen verbindet «2666» die Suche nach einem rätselhaften Dichter mit einer unheimlichen Frauenmordserie in Mexiko und verknüpft schon im Titel das dritte Jahrtausend mit der Chiffre des Bösen.
14 Uhr, draußen brütet die Sonne, die Vorstellung beginnt in La FabricA, Avignons neuer «White Box» mit den Dimensionen der großen Bühne im Papstpalast, aber indoor: «Der Teil der Kritiker». Das Setting ist erlesen, eine schicke Veranda, edles Mobiliar. Vier Germanisten treffen sich in den ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Festivals, Seite 32
von Andreas Klaeui
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