Der Fluch

Eine neue Biografie von Alfred Kerr schildert das Leben des jüdischen Kritikers aus Breslau, seine Berliner Karriere, seine Kulturkämpfe und die existenziellen Nöte und Demütigungen in seinem erzwungenen Exil nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Im Vorabdruck Kerrs «Abrechnung» mit Gerhart Hauptmann

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In diesen ersten Monaten des Exils schmerzte Kerr nicht nur die Trennung von Berlin. Er wartete auf Stimmen der zurückgelassenen Freunde und nahm nun wahr, dass manche von denen, die er zu seinen besten Freunden rechnete und die ihn «Freund» nannten, nichts mehr von ihm wissen wollten. Am tiefsten erschütterte ihn die Reaktion des von ihm so verehrten Gerhart Hauptmann. Er hatte Hauptmann 1922 und 1932, zum 60. und zum 70. Geburtstag, in Breslau und Bremen gepriesen, Hauptmann hatte zu Kerrs Sechzigstem dessen «hilfreichen Arm» gelobt.

Und jetzt schwieg Hauptmann nicht nur zu den Vorgängen in Deutschland, er ließ sich von den neuen Machthabern benutzen. Im Juli 1933 schrieb Kerr in einem französischen Blatt:

«Mein alter, vormals lieber Gerhart Hauptmann, mit dem ich ein Leben lang aufs innigste verbunden war, weiß genau, dass ich aus Deutschland verbannt bin, dass jedem reichsdeutschen Blatt verboten ist, ein Wort von mir zu drucken, dass mein Leben in zwei Stücke gerissen ist – er hat noch nicht gewagt, mir eine Postkarte zu schreiben. Dieser gar edle Dichter des Altruismus kriecht vor den Machthabern … und vergisst die Opfer. Er guckt respektvoll auf blendende Scheinwerfer eines ...

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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 43
von Deborah Vietor-Engländer

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