Kassel: Blauer Dunst
So ein blaues Licht ist eine praktische Sache. Wenn man damit seine Pfeife anzündet, erscheint ein schwarzes Männchen und erledigt die gerade anliegenden Drecksarbeiten. Eine böse Hexe will den armen Soldaten im Brunnen verschimmeln lassen? Das schwarze Männchen greift ein, raubt ihr Gold und bringt sie an den Galgen. Der undankbare König will den kriegsuntauglichen Veteranen nicht mehr beschäftigen? Das schwarze Männchen raubt die Königstocher und macht sie zur Dienstmagd.
Der König will als Rache den Soldaten hinrichten lassen? Das schwarze Männchen verprügelt ihn und seine Richter, bis er abdankt und den Soldaten zu seinem Nachfolger macht.
In Rebekka Kricheldorfs Märchen-Aktualisierung gibt es verständlicherweise kein schwarzes Männchen mehr, und das Gewaltmonopol sitzt gut internalisiert im Kopf des traumatisierten Ex-Kriegers. So mordet, rächt und vergewaltigt sich der arme Mann zwar durch alle Stationen der Grimmschen Vorlage, hat aber keine Chance auf Erfolg und Reichtum. Er rackert bei einer ausbeuterischen alten Lustgreisin, kidnappt und missbraucht eine junge Frau und muss sich schließlich von einem zynischen Gefängnisseelsorger verhöhnen lassen, bevor er auf dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Franz Wille
Sie hat Akten durchforstet und ausgewählte Dokumente auf etwas mehr als vierzig Seiten arrangiert. Darunter Briefe Göttinger Juden, Schriftsätze der Industrie- und Handelskammer Göttingen, der Kriminalpolizei und Geheimen Staatspolizei, Inventarlisten, gestelztes Amtsdeutsch des NSDAP-Kreisleiters, Augenzeugenbefragungen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und...
Jan-Peter Kampwirth findet Freimaurer klasse: «In einem ganz normalen Händedruck liegt da eine große Verbindlichkeit!» Mitglied kann er aber leider keines werden, weil er Katholik ist – bei einer elitären Geheimgesellschaft darf nicht jeder mitspielen. Papstgläubige nicht. Und Frauen auch nicht. Das findet Gala Othero Winter ungerecht, aber Kampwirth wiegelt ab:...
Einen ernüchternden Blick auf das Frauenbild des Islam wagte das Ingolstädter Theater gerade mit «In meinem Alter rauche ich immer noch heimlich» der algerischen Autorin Rayhana, jetzt wurde das Auftragswerk «djihad» von Volker Schmidt uraufgeführt. «Fragmente» nennt der Autor und Regisseur seine lockere Szenenfolge, die sich zu einem Ganzen formt, um freilich am...
