Karlsruhe: Gleichschaltung reloaded
«In der Horde tut ihr Dinge, die ihr alleine nicht tun würdet.» Ja, da hat die Automatenstimme Julia wohl recht. Schließlich bringt sie die Teilnehmer von «Remote Karlsruhe» nicht nur dazu, sich per Kopfhörer rund eindreiviertel Stunden lang durch die Stadt leiten zu lassen, sondern auch dazu, in Demonstrantenhaltung mit gerecktem Arm durch die Fußgängerzone zu laufen, auf einem öffentlichen Platz zu tanzen oder in einem Einkaufszentrum Ballettbewegungen auszuführen.
Der dramaturgische Bogen des von Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) konzipierten und vor Karlsruhe bereits in Metropolen wie Berlin, Wien oder New York gebotenen Projektes sieht so aus: Indem die Maschine «Julia» behauptet, während dieser gemeinsamen Wanderung etwas über Menschen lernen zu wollen, sollen natürlich die Teilnehmer selbst über das Menschsein nachdenken – über die Vergänglichkeit (die Tour beginnt auf einem Friedhof), über die Wechselbeziehung von Gruppe und Individuum, über die Bereitwilligkeit, sich als Wesen mit freiem Willen einer Fremdsteuerung auszusetzen (zum Beispiel durch Maschinen).
Wer über solche Dinge normalerweise eher nicht nachdenkt, tja, der könnte hier vielleicht den einen oder anderen ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Jüttner
könnte ich ihnen sagen, was es bedeutet, dann bestünde kein anlass, es zu tanzen
isadora duncan
die welt ist alles, was der unfall ist.
ludwig wittgenstein
denn die gestalt der welt zerfällt.
paulus
Personen
beate
jayne
rolf
der fernfahrer
pausen
/ ein schlag
// zwei schlag
/// drei schlag
§1 der fernfahrerprolog
fernfahrer mit...
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