Das Prekarikaturen-Kabinett
Verdammt lange her, aber so wurde Thomas Ostermeiers Intendanz an der Berliner Schaubühne mal eröffnet, damals, vor 15 Jahren, als vollmundige Manifeste von Antikapitalismus sprachen, von Aufklärung und Repolitisierung. Als Ostermeier das Charlottenburger Bürgertum verschrecken wollte mit dem Blick ganz nach unten, in den «Personenkreis 3.1» von Lars Norén. Da trafen sich auf dem Drogenumschlagplatz die Penner und Outcasts, Nutten und Fixer des letzten Jahrtausends, und die Bürger erschreckten sich kein bisschen vor dem Menschenzoo, sondern gingen achselzuckend vor der Zeit raus.
Ostermeier revidierte seine großen Worte gründlich in den folgenden Jahren und fuhr seine größten Erfolge mit eleganter bürgerlicher Selbstzerfleischung à la Ibsen, Lillian Hellman und, seit neuestem, Yasmina Reza ein, die ihm «Bella Figura» eigens auf die Bühne und Nina Hoss’ schönen Leib schrieb. «Bella Figura» wäre überhaupt eine hübsche Überschrift für die Schaubühne 15 Jahre nach dem Manifest und höchst erfolgreich in der Marktförmigkeit angekommen.
In der Abflussröhre
Und dann das: Drei Wochen nach der Reza-Premiere lädt die Schaubühne tatsächlich wieder ein zum Weg ganz nach unten; nicht vom Hausherrn ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt
Zuletzt hatte sich Regie-Veteran Hansgünther Heyme an dem sperrigen Stoff versucht: mit dem Karlsruher Ensemble und für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Aber absehbar blieb auch diesmal wieder, dass die beiden «Gas»-Stücke des expressionistischen Dramatikers Georg Kaiser nicht wirklich zurückzugewinnen sind fürs Repertoire. Denn obwohl ziemlich viel Material...
Ewald Palmetshofer, 1978 in Linz geboren, wächst im Mühlviertel, genauer in Mönchdorf, in Oberösterreich auf. Nach Schule und Zivildienst geht er nach Wien, um zunächst Theaterwissenschaft und Germanistik, dann Theologie, Philosophie und Psychologie auf Lehramt zu studieren.
Ich habe mich länger gefragt, ob ich überhaupt diese wenigen biografischen Daten dieser...
Nach 23 Stunden und 45 Minuten stehen alle auf im Saal und heben die Arme. Die Beats sprechen den Befehl aus, und der goldene Wabbelkörper von Dionysos schüttelt auf der Bühne, was er hat, und das ist viel. Als auch noch der Bass droppt, wie man in der Clubmusik den Moment nennt, wenn nach einer Basspause die Tiefen wieder einfahren, ist es um die Menge geschehen....
