Das Prekarikaturen-Kabinett
Verdammt lange her, aber so wurde Thomas Ostermeiers Intendanz an der Berliner Schaubühne mal eröffnet, damals, vor 15 Jahren, als vollmundige Manifeste von Antikapitalismus sprachen, von Aufklärung und Repolitisierung. Als Ostermeier das Charlottenburger Bürgertum verschrecken wollte mit dem Blick ganz nach unten, in den «Personenkreis 3.1» von Lars Norén. Da trafen sich auf dem Drogenumschlagplatz die Penner und Outcasts, Nutten und Fixer des letzten Jahrtausends, und die Bürger erschreckten sich kein bisschen vor dem Menschenzoo, sondern gingen achselzuckend vor der Zeit raus.
Ostermeier revidierte seine großen Worte gründlich in den folgenden Jahren und fuhr seine größten Erfolge mit eleganter bürgerlicher Selbstzerfleischung à la Ibsen, Lillian Hellman und, seit neuestem, Yasmina Reza ein, die ihm «Bella Figura» eigens auf die Bühne und Nina Hoss’ schönen Leib schrieb. «Bella Figura» wäre überhaupt eine hübsche Überschrift für die Schaubühne 15 Jahre nach dem Manifest und höchst erfolgreich in der Marktförmigkeit angekommen.
In der Abflussröhre
Und dann das: Drei Wochen nach der Reza-Premiere lädt die Schaubühne tatsächlich wieder ein zum Weg ganz nach unten; nicht vom Hausherrn ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt
Helmut Lohner hat schon früh alle U- und E-Unterscheidungen unterlaufen. Er begann nach einer Lehre in einer Fotoreproanstalt und privatem Schauspielunterricht 1952 am Stadttheater Baden, avancierte zum Operetten-Buffo am Stadt-theater Klagenfurt und spielte von 1953 bis ’63 am Wiener Theater in der Josefstadt. Frühe Filmerfolge («Das Wirtshaus im Spessart» 1957...
Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt....
Zum Schluss wird noch einmal gezaubert, verstörend, verspielt und getrieben von einer unbeirrbaren Sehnsucht nach der Magie von Begegnung. Aus anfänglicher Vereinzelung finden sich Paare und Grüppchen, die sich neugierig beschnuppern und zu wackligen Pyramiden türmen, die stets vorzeitig zusammenbrechen. Sechs Performer und drei Musiker probieren aus, wie viel...
