Kakofonie des Schauderns
Würdigen wir bitte zunächst den Spielplanhumor. Letzte Inszenierungen einer Intendanz haben ja oft symbolische Titel, meist irgendetwas mit «Ende» oder «Abschied». Martin Kušej, der eher für Trübsal als Witz bekannte scheidende Direktor des Wiener Burgtheaters, programmiert als finale Premiere ein Stück mit dem Titel «Zentralfriedhof». Das ist so grimmig – wenn ich nicht mehr da bin, seid ihr für mich gestorben – wie verblüffend selbstironisch.
Gleichzeitig hat Kušej für dieses letzte Geleit Herbert Fritsch engagiert, den großen Körperkomiker des deutschsprachigen Theaters, der so gar nichts von grüblerischem Tiefsinn hält. Wenn der designierte Burg-Chef Stefan Bachmann also mehr Leichtigkeit verspricht, ermöglicht Fritsch schon mal einen Übergang. Schön auch: Z ist der letzte Buchstabe des Alphabets, er kam bereits zur Abschiedsinszenierung der Direktion Karin Bergmann zur Geltung. Damals ließ Fritsch ein «Zelt» bauen.
Außerdem feiert Wien dieses Jahr das 150-jährige Bestehen seines Zentralfriedhofs. Die Größen der Republik liegen dort, Wolfgang Am -bros hat ihn zu seinem 100. Geburtstag besungen («Es lebe der Zentralfriedhof / Und olle seine Toten»), und es gibt im morbiden Wien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Martin Thomas Pesl
Hosenrollen gibt es bekanntlich schon bei Shake -speare, wenn etwa Viola sich als ihr Bruder verkleidet und beim Herzog reüssiert («Was ihr wollt») oder Prinzessin Rosalinde verkleidet ihren geliebten Ganymed anschmachtet («Wie es euch gefällt»). Ähnlich gelagert, aber mit moderneren Vorzeichen, ist die Sache bei «Gabriel», das jetzt am Neuen Theater Halle in der...
What brings us to Africa? What are the lessons learned?», fragt Bishnupriya Dutt, die Präsidentin der International Federation for Theatre Research (IFTR) während der «Closing Ceremony» in der Great Hall der University of Ghana. Ihre Abschlussrede fasst die ethischen Prämissen des internationalen Wissenschaftsverkehrs noch einmal auf Diskurshöhe zusammen: Sie...
Eine Ära ist schon wieder vorbei: Wer als Burgherr abtritt, ist Denkmal für immer. Die fünf Jahre von Martin Kušej im Überblick
Haiko Pfost hat das Freie-SzeneFestival Impulse sieben Jahre geleitet und tritt jetzt ab: eine Bilanz im Gespräch
Anja Schneider und ihre Mitspieler:innen zeigen eine neue Seite an Sivan Ben Yishais «Nora oder Wie man das Herrenhaus...
